Negativrekord seit Gründung der Bundesrepublik

von Hubert Hunscheidt

Die Produk­tion in der Metall- und Elektro-Industrie (M+E-Industrie) ist im 1. Halbjahr 2026 um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjah­res­halb­jahr zurück­ge­gangen. Das geht aus den heutigen Zahlen des Statis­ti­schen Bundes­amtes hervor. Zwar gab es im Juni 2026 nach vorläu­figen Zahlen eine leichte Stabi­li­sie­rung, diese reichte aber nicht aus, um die deut­li­chen Rückgänge in den Vormo­naten auszu­glei­chen. Im gesamten 2. Quartal lag die M+E-Produk­tion daher weiterhin 1,8 Prozent unter dem bereits schwachen Vorjah­res­quartal.

Gesamt­me­tall-Chef­volks­wirt Lars Kroemer: „Mit dem erneuten Einbruch liegt die Produk­tion in der M+E-Industrie 15 Prozent unter dem Vorkri­sen­ni­veau von 2018. Ange­sichts des schwachen 1. Halb­jahres und der unver­än­dert desolaten Auslas­tung rechnen wir für das gesamte Jahr 2026 mit einem Produk­ti­ons­rü­ck­gang von 1,25 bis 2 Prozent. Das wäre das 3. Rezes­si­ons­jahr in Folge für die M+E-Industrie – ein Nega­tivre­kord seit Gründung der Bundes­re­pu­blik.“

Aktueller Konjunkturbericht und Ausblick

Wie der aktuelle Konjunk­tur­be­richt von Gesamt­me­tall weiter zeigt, lagen zwar die Neuauf­träge im 1. Halbjahr 2026 um 4,8 Prozent über dem Vorjah­res­ni­veau. Das ist aber vor allem in der Verbu­chung von Groß­auf­trägen im Vertei­di­gungs­be­reich und in Vorzie­h­ef­fekten infolge des Iran­krieges begründet. Mehr­heit­lich bewerten die M+E-Unter­nehmen ihre Auftrags­be­stände weiterhin schwach. 38 Prozent der M+E-Unter­nehmen berich­teten im Juli 2026 von Auftrags­mangel als Produk­ti­ons­hin­dernis. Damit noch einmal mehr als im Vorquartal (34 Prozent). Die Kapa­zi­täts­aus­las­tung lag unver­än­dert bei nur 79 Prozent und damit deutlich unter dem lang­jäh­rigen Mittel (85 Prozent).

Kroemer: „Die anhaltend schwache Produk­ti­ons­ent­wick­lung zeigt deutlich die struk­tu­rellen Stand­ort­pro­bleme. Diese können nur durch Struk­tur­re­formen und nicht durch schul­den­fi­nan­zierte Staats­aus­gaben behoben werden. Deshalb muss die Bundes­re­gie­rung die begonnene Refor­ma­genda fort­s­etzen. Insbe­son­dere im Bereich der Sozi­a­l­ver­si­che­rungen und des Arbeits­zeit­rechts. Außerdem müssen bereits verab­re­dete Reformen auch wie geplant umgesetzt und nicht teilweise wieder aufge­schnürt und verwäs­sert werden. Wer beispiels­weise Teile der vorge­legten Renten­re­form wieder in Frage stellt, hat die Dring­lich­keit der Reform­be­dürf­tig­keit der Alters­si­che­rung immer noch nicht verstanden. Das ist erschre­ckend. Die Regie­rungs­frak­ti­onen dürfen sich nicht von den notwen­digen Reformen abbringen lassen. Alles andere würde erneut viel Vertrauen kosten und wäre gleich­zeitig Gift für Inves­ti­ti­onen und damit für Arbeits­plätze in unserem Land.“

Quelle: Gesamt­me­tall | Gesamt­ver­band der Arbeit­ge­ber­ver­bände der Metall- und Elektro-Industrie e.V.  / Foto: marketSTEEL