Marcegaglia plant neues Stahlwerk in Frankreich – Fokus auf CO₂-arme Flachstahlproduktion
von Hubert Hunscheidt
Die Marcegaglia Group hat den Anlagenbauer Danieli mit der Umsetzung eines neuen Stahlwerks mit integrierter Flachwalzstraße im französischen Fos-sur-Mer beauftragt. Das Projekt „Mistral“ soll die vertikale Integration der Lieferkette stärken und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Stahlproduktion leisten.
Geplant ist eine Anlage mit einer Jahreskapazität von mehr als zwei Millionen Tonnen Flüssigstahl sowie bis zu drei Millionen Tonnen warmgewalzter Coils aus Edelstahl und Kohlenstoffstahl. Damit könnte rund 35 Prozent des Bedarfs der Marcegaglia-Gruppe an Coils und Brammen gedeckt werden. Ein Großteil der Produktion ist für die Weiterverarbeitung in italienischen Werken vorgesehen.
Moderne EAF-Technologie für flexible Produktion
Das Werk wird mit einem modernen Elektrolichtbogenofen (EAF) ausgestattet, ergänzt durch eine Stranggussanlage für dicke Brammen sowie ein konventionelles Warmbandwalzwerk. Diese Konfiguration soll eine hohe Produktionsflexibilität, stabile Prozesse und gleichbleibende Qualität über ein breites Produktspektrum hinweg ermöglichen.
Dekarbonisierung im Fokus
Ein zentrales Element des Projekts ist die deutliche Reduzierung der CO₂-Emissionen. Durch den Einsatz von Stahlschrott, kohlenstoffarmem HBI (Hot Briquetted Iron) sowie Energie aus Kernkraft und erneuerbaren Quellen sollen die Treibhausgasemissionen im Vergleich zur klassischen Hochofenroute um bis zu 80 Prozent gesenkt werden.
Darüber hinaus setzt das Projekt auf moderne Automatisierungssysteme, optimierte Ressourcennutzung und energieeffiziente Technologien. Die Anlage soll den strengen europäischen Umwelt- und Sicherheitsstandards entsprechen.
Strategischer Ausbau im Flachstahlmarkt
Mit dem Projekt verfolgt Marcegaglia das Ziel, seine Wettbewerbsposition im europäischen Flachstahlmarkt weiter auszubauen und gleichzeitig nachhaltiges Wachstum zu sichern. Die Investition stärkt zudem die Rolle von Danieli als Technologiepartner für die Transformation der Stahlindustrie.
Die endgültige Investitionsentscheidung wird bis spätestens Ende 2026 erwartet und hängt unter anderem vom Abschluss der Genehmigungsverfahren sowie von laufenden Verhandlungen mit französischen Behörden ab.
Quelle und Foto: Danieli & C. S.p.A.