M+E-Geschäftsklima seit über drei Jahren im Rezessionsbereich
von Hubert Hunscheidt
Das M+E-Geschäftsklima konnte sich im Juni nur unwesentlich auf -10 Punkte stabilisieren (Mai: -12 Punkte). Damit ist der zentrale Stimmungsindikator seit über drei Jahren ununterbrochen im Rezessionsbereich. Die aktuelle Lage wurde etwas negativer eingeschätzt, während die Erwartungen für die kommenden Monate nicht ganz so pessimistisch wie im Mai waren. Ein Ende des Irankrieges könnte konjunkturell Erleichterung bringen, nach wie vor bremsen aber die bestehenden Standortdefizite eine nachhaltige Trendwende aus.
Die M+E-Produktion stieg im April leicht um 0,3 Prozent zum März, sank im aussagekräftigeren Dreimonatsvergleich jedoch um 2,0 Prozent.. Gegenüber dem Vorjahr lag sie um 2,7 Prozent niedriger, das Niveau von 2018 wird um 15 Prozent unterschritten. Die längste Rezession der Nachkriegsgeschichte hält damit an. Kurzfristig ist eine Trendwende wenig wahrscheinlich, zumal die Pkw-Produktion im Mai wieder sehr schwach war sowie die Produktions- und Exportpläne nur eine Stagnation anzeigen.
Die M+E-Umsätze konnten sich durch die Abrechnung einiger Großaufträge zwar stabilisieren. Allerdings wird die Stabilisierung nur von wenigen Industriezweigen getragen und ist entsprechend sehr differenziert. Der preisbereinigte Absatz lag bis April nur auf dem schwachen Niveau des Vorjahres. Einzig die Absätze in die Euro-Zone übertrafen des Vorjahresniveau. Die Investitionskrise im Inland, US-Zölle, der Irankrieg sowie Wettbewerbsprobleme insbesondere außerhalb Europas belasten weiterhin die Exporte.
Die M+E-Neuaufträge brachen im April um 5,4 Prozent zum Vormonat ein. Eine Korrektur war aufgrund von Vorzieheffekten durch den Irankrieg im März erwartet worden, sie fiel aber stärker aus als gedacht. Zudem wurden die März-Aufträge nach unten korrigiert. Insgesamt ist die Auftragslage damit weiter schwach: Die Auslastung liegt bei nur 79 Prozent und damit weiter deutlich unter dem langjährigen Mittel von 85 Prozent. Die Nachfrage wurde sowohl im Mai als auch Juni überwiegend negativ beurteilt. Die Auftragsbestände sind damit seit drei Jahren ununterbrochen im negativen Bereich.
Die Zahl der M+E-Beschäftigten brach im April auf 3,746 Mio. ein. Saisonbereinigt fiel die Mitarbeiterzahl um 15.600 (-0,42 Prozent) – das größte Minus innerhalb eines Monats seit Juli 2020. Damit sinkt die Beschäftigung seit zweieinhalb Jahren ununterbrochen. Seit 2019 summiert sich der Rückgang auf mehr als 300.000 M+E-Arbeitsplätze. Angesichts der anhaltenden Unterauslastung sind die Personalpläne weiterhin abwärtsgerichtet.
Quelle: Gesamtmetall | Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie e.V. / Foto: Fotolia