M+E-Geschäftsklima seit drei Jahren ununterbrochen im Rezessionsbereich
von Hubert Hunscheidt
Das vom ifo-Institut für Gesamtmetall monatlich erhobene Geschäftsklima für die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie (M+E-Industrie) lag auch im Juli 2026 im Rezessionsbereich. Der zentrale Stimmungsindikator für die mit 3,74 Millionen Beschäftigten größte deutsche Industriebranche stabilisierte sich auf minus 5 Punkte (Juni 2026: minus 10 Punkte).
Allerdings ging die Stabilisierung fast ausschließlich auf weniger pessimistische Erwartungen für die nächsten Monate zurück. Der Indikator war hier erstmals seit Oktober 2025 wieder ausgeglichen bei 0 Punkten (Juni: minus 10 Punkte). Die aktuelle Lage wurde dagegen mit minus 8 Punkten fast unverändert negativ eingeschätzt (Juni: minus 10 Punkte).
Gesamtmetall-Chefvolkswirt Lars Kroemer: „Die leichte Stabilisierung des Geschäftsklimas dürfte die vagen, bis Mitte des Monats bestehenden Hoffnungen auf ein schnelles Ende des Irankriegs sowie auf echte Fortschritte bei den Strukturreformen in Deutschland widerspiegeln. Allerdings hält trotz erfolgter starker Kapazitätsanpassungen die Unterauslastung in der M+E-Industrie seit über drei Jahren unverändert an. Auch die konkreten Unternehmenseinschätzungen zu Produktion und Auftragslage relativieren die Stimmungsaufhellung.“
So nahm der Anteil an M+E-Unternehmen, deren Produktion im 3. Quartal von Auftragsmangel behindert wird, auf 38 Prozent zu (2. Quartal 2026: 34 Prozent). Die Kapazitäten waren im Juli im Durchschnitt nur zu 79 Prozent ausgelastet, wobei die Normalauslastung bei 85 Prozent liegt.
Kroemer: „Hauptursache dafür ist die desolate preisliche Wettbewerbsfähigkeit des Standortes. Die M+E-Unternehmen bewerteten diese auch im Juli 2026 unverändert negativ. Die Bundesregierung hat Anfang Juli gezeigt, dass sie handlungsfähig und willig zu Reformen ist. Dieses spiegelt sich auch positiv in ersten Erwartungen wider. Doch es sind schnelle weitere strukturelle Reformen nötig. Die im Koalitionsvertrag vereinbarte gesetzlich verankerte Wochenarbeitszeit ohne Tarifvorbehalt sowie das klare Bekenntnis zur Vertrauensarbeitszeit ohne Zeiterfassung müssen jetzt kommen. Zudem müssen die Sozialversicherungsbeiträge stabilisiert und langfristig wieder auf die 40-Prozent-Grenze zurückgeführt werden. Hierfür muss es im Bundeshaushalt und in der Sozialversicherung zu deutlichen Einsparungen kommen. Die Bundesregierung muss jetzt zeigen, dass sie auch weiterhin beherzt anpacken kann und wird. Die Metall- und Elektro-Industrie verliert Monat für Monat 10.000 Arbeitsplätze und damit weiter Wohlstand in unserem Land. Die Politik muss daher alles dafür tun, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts wiederherzustellen.“
Quelle: Gesamtmetall | Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie e.V. / Foto: Fotolia