Knapp über der Null, aber weit entfernt vom Aufschwung
von Hubert Hunscheidt
Die Geschäftslage in der deutschen Zulieferindustrie hat sich im Oktober 2026 erneut verbessert. Die saisonbereinigte Bewertung der aktuellen Lage stieg um 2,6 Punkte auf 2,3 und liegt damit erstmals seit Mitte 2023 wieder im positiven Bereich. Auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate zogen leicht an: Sie legten um 0,5 Punkte auf 2,4 zu und bleiben den dritten Monat in Folge über null.
Die Zulieferer liegen damit im gesamtwirtschaftlichen Trend. Der ifo Geschäftsklimaindex stieg im Oktober auf 90,2 Punkte, nach 89,9 im September, und damit zum sechsten Mal in Folge. Das Barometer liegt damit auf dem höchsten Stand seit Mai 2023. Für die Gesamtwirtschaft beruhte der Anstieg allerdings auf den Erwartungen, während die aktuelle Lage etwas schlechter eingeschätzt wurde. Der Anstieg spricht damit für eine Erholung, belegt aber noch keinen selbsttragenden Aufschwung. Anders im Verarbeitenden Gewerbe: Dort bewerteten die Unternehmen sowohl ihre Lage als auch ihre Erwartungen besser, und beide Indikatoren befinden sich erstmals seit mehr als drei Jahren im Plus.
Rückenwind kommt auch von der Bundesregierung. In ihrer Herbstprojektion rechnet sie für 2026 mit einem realen BIP-Wachstum von 1,3 Prozent und folgt damit den Wirtschaftsforschungsinstitute
Aus der Automobilindustrie kommen dagegen noch keine klaren Impulse. Mehrere deutsche Hersteller melden für das dritte Quartal deutliche Absatzrückgänge, teils im Bereich von 16 bis knapp 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Belastet wird das Geschäft vor allem durch die schwache Nachfrage in China und den USA. Hinzu kommen weitere Risiken. Hohe Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten belasten die Entwicklung zusätzlich.
Mit dem Sprung über die Nulllinie hat die Zulieferindustrie eine wichtige Marke genommen. Eine tragfähige Erholung ist das aber erst, wenn sich die Lage auf diesem Niveau hält und die strukturellen Belastungen am Standort Deutschland den Aufschwung nicht wieder ersticken.
Quelle: Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (ArGeZ) / Foto: Fotolia