Klöckner-CEO Guido Kerkhoff im Material Talk

von Hubert Hunscheidt

Im Rahmen des Matflixx Material Talk am 21. April 2026 hat Guido Kerkhoff zentrale Impulse für die zukünftige Ausrichtung der Stahlbeschaffung gegeben. Im Fokus standen dabei die anhaltende Marktunsicherheit, strukturelle Wettbewerbsverzerrungen sowie neue Chancen durch Dekarbonisierung und Serviceorientierung.

Flexibilität wird zum Erfolgsfaktor

Angesichts volatiler Preisentwicklungen und unsicherer Absatzperspektiven empfiehlt Kerkhoff eine flexible Beschaffungsstrategie. Starre Einkaufsmodelle seien in der aktuellen Marktsituation nicht mehr zeitgemäß. Unternehmen müssten ihre Beschaffung dynamisch anpassen, um Risiken zu minimieren und Chancen zu nutzen.

Wettbewerbsdruck durch staatliche Marktmodelle

Ein zentrales Thema ist der globale Wettbewerb, insbesondere mit China. Staatlich geprägte Unternehmen agierten häufig nicht primär gewinnorientiert, sondern beschäftigungspolitisch. Dies führe zu strukturellen Verzerrungen im Markt und mache handelspolitische Maßnahmen wie Zölle oder Quoten aus europäischer Sicht nachvollziehbar.

Dekarbonisierung als strategische Chance

Kerkhoff betont, dass die Transformation hin zu CO₂-armen Produkten nicht nur eine regulatorische Pflicht, sondern auch ein Differenzierungsmerkmal darstellt. Allerdings fehle es derzeit vielfach an Transparenz entlang der Wertschöpfungskette, insbesondere bei der Bewertung von Emissionen in Beschaffungsentscheidungen.

Stahlpreis oft überschätzt

Ein weiterer wichtiger Punkt: Der Stahlpreis macht im Endprodukt häufig einen geringeren Anteil aus als angenommen. Wesentlich stärker ins Gewicht fallen Faktoren wie Verarbeitung, Logistik und die zunehmende Komplexität in der Wertschöpfung.

Konsolidierung und Effizienz im Fokus

Die bestehenden Überkapazitäten entlang der Wertschöpfungskette erfordern nach Einschätzung Kerkhoffs eine weitere Marktbereinigung. Größere Einheiten seien besser in der Lage, Kosten zu optimieren und Effizienzpotenziale zu realisieren.

Mehrwert durch Services und Spezialisierung

Zukunftsfähige Geschäftsmodelle entstehen laut Kerkhoff vor allem durch die Reduktion von Komplexität. Dazu zählen kundenspezifische Werkstoffe, Anarbeitung sowie die Lieferung einbaufertiger Komponenten. Auch in einem Umfeld mit hohem Preisdruck lassen sich so Margen sichern und ausbauen.

Fazit

Der Material Talk zeigt: Die Stahlbeschaffung steht vor einem strukturellen Wandel. Flexibilität, Transparenz, Spezialisierung und ein klarer Fokus auf Mehrwert entlang der Wertschöpfungskette werden künftig entscheidend sein.

Quelle: MATFLIXX GmbH /  Foto: Klöckner & Co. SE