KI-Boom treibt Edelstahlnachfrage durch Rechenzentren an
von Hubert Hunscheidt
Die weltweite Expansion von Rechenzentren im Zuge des Booms der Künstlichen Intelligenz (KI) sorgt für neue Impulse auf den Edelstahlmärkten. Während die Bautätigkeit in vielen klassischen Segmenten schwächelt, entwickelt sich der Ausbau digitaler Infrastruktur zunehmend zu einem bedeutenden Nachfragetreiber für Edelstahl.
Nach Angaben von Bloomberg befinden sich derzeit weltweit 831 Rechenzentren im Bau. Die Investitionsausgaben der 14 größten börsennotierten Rechenzentrumsbetreiber stiegen demnach im Jahr 2026 auf rund 750 Milliarden US-Dollar. Bis 2029 werden weitere Investitionen von etwa 3,3 Billionen US-Dollar erwartet. Mehr als ein Drittel der aktuellen Projekte entfällt auf den amerikanischen Kontinent, wobei die USA das Zentrum dieser Entwicklung bilden.
Marktteilnehmer berichteten gegenüber MEPS International, dass insbesondere KI-bezogene Bauprojekte die Nachfrage nach Edelstahlprodukten unterstützen. Nach Angaben des US Census Bureau legte der Bau von Rechenzentren im März gegenüber dem Vorjahr um 34 Prozent zu. Auch der Dodge Momentum Index, ein Frühindikator für die Bautätigkeit, verzeichnete im April einen Anstieg von 14,1 Prozent. Ohne den Einfluss von Rechenzentrumsprojekten hätte das Wachstum im gewerblichen Bausektor lediglich 5,8 Prozent betragen.
Edelstahl wird vor allem für Kühlsysteme, Wasserkreisläufe und Kondensatoren in Rechenzentren benötigt. Gleichzeitig steigt durch den hohen Energiebedarf der Anlagen die Nachfrage nach nachhaltigen Energielösungen. Davon profitieren auch europäische Edelstahlhersteller. In Finnland berichten Marktteilnehmer von einem deutlichen Anstieg der Anfragen durch Rechenzentrumsentwickler. Das Land zählt inzwischen zu den am schnellsten wachsenden Rechenzentrumsstandorten Europas und profitiert von seinem kühlen Klima sowie einer nahezu CO₂-freien Stromerzeugung.
Auch in Ostasien wird mit einem starken Wachstum gerechnet. Laut KPMG könnte sich die Kapazität der Rechenzentren in der Region zwischen 2025 und 2030 auf bis zu 6,5 Gigawatt verdreifachen. Besonders China, Indien und Südkorea gelten als aussichtsreiche Wachstumsmärkte.
Vor dem Hintergrund einer in vielen Bereichen weiterhin verhaltenen Stahlnachfrage dürfte der Technologiesektor nach Einschätzung von MEPS International in den kommenden Jahren eine immer wichtigere Rolle für die Entwicklung des Edelstahlverbrauchs spielen. Insbesondere Investitionen in Rechenzentren und die zugehörige Energieinfrastruktur könnten sich als stabiler Nachfragefaktor für die Branche etablieren.
Quelle und Foto: MEPS International