IWF hebt Wachstumsprognose für Deutschland kräftig an
von Hubert Hunscheidt
Der Internationale Währungsfonds (IWF) beurteilt die wirtschaftlichen Aussichten für Deutschland deutlich optimistischer als noch im Sommer. Nach seiner aktuellen Prognose vom 13. Oktober 2026 dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 1,3 Prozent wachsen. Gegenüber der Juli-Prognose entspricht dies einer Anhebung um 0,6 Prozentpunkte. Damit liegt die neue Einschätzung des IWF auf dem Niveau der Wachstumsprognose der Bundesregierung.
Auch für 2027 hat der Währungsfonds seine Erwartungen leicht nach oben korrigiert. Statt der bislang prognostizierten 1,0 Prozent rechnet der IWF nun mit einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent.
Weltwirtschaft zeigt sich widerstandsfähiger
Trotz der wirtschaftlichen Belastungen durch den Iran-Krieg und gestiegener Energiepreise entwickelt sich die Weltwirtschaft nach Einschätzung des IWF robuster als erwartet. Der Währungsfonds hob seine globale Wachstumsprognose für 2026 um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent an.
Für den Euroraum fällt die Einschätzung ebenfalls etwas günstiger aus. Hier erwartet der IWF nun ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent, 0,2 Prozentpunkte mehr als in der vorherigen Prognose.
Als einen wesentlichen Faktor für die Widerstandsfähigkeit der Industrieländer nennt der IWF die zunehmenden Investitionen in künstliche Intelligenz. Diese stützen die wirtschaftliche Entwicklung und können die Belastungen durch höhere Energiekosten zumindest teilweise ausgleichen.
Unterschiedliche Perspektiven für Industrie- und Entwicklungsländer
Allerdings profitieren nicht alle Volkswirtschaften gleichermaßen von dieser Entwicklung. Während zahlreiche Industrieländer durch Investitionen in KI-Technologien zusätzliche Wachstumsimpulse erhalten, stehen wirtschaftlich schwächere Staaten weiterhin unter erheblichem Druck.
Insbesondere hohe Energiepreise belasten Länder, die nicht unmittelbar am Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz teilhaben. Der IWF spricht deshalb von einem zweigeteilten wirtschaftlichen Ausblick.
Trotz der verbesserten Prognosen bleiben die Risiken erheblich. „Die Weltwirtschaft hat sich als widerstandsfähig erwiesen, doch diese Widerstandsfähigkeit steht unter Druck, und die Risiken für das Wachstum sind eher nach unten gerichtet“, erklärte IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro.
Für die deutsche Industrie zeichnet die neue Prognose damit ein günstigeres gesamtwirtschaftliches Bild als noch im Sommer. Ob sich das stärkere Wachstum auch in einer nachhaltigen Belebung der industriellen Produktion und der Stahlnachfrage niederschlägt, bleibt allerdings abzuwarten.
Quelle: Internationaler Währungsfonds (IWF) / Foto: marketSTEEL