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IW-Konjunkturprognose: Überraschendes Wachstum, breite Erholung bleibt aus

21. Sept. 2026 von Hubert Hunscheidt

Grund für das kräftige Plus ist ein Sondereffekt im ersten Halbjahr 2026: Aus Sorge vor Lieferengpässen infolge des Irankriegs füllten Unternehmen ihre Lager und bestellten etwa Chemie- und Elektroprodukte aus Deutschland. Dieser vorübergehende Schub treibt die Exporte, ist aber kein Zeichen für eine dauerhafte Erholung. Das IW hebt seine Prognose für 2026 deshalb auf 1,2 Prozent an – im Mai hatte es noch mit 0,4 Prozent gerechnet. Im zweiten Halbjahr dürfte das Wachstum der Wirtschaft wieder an Tempo nachlassen, gleichwohl im Jahr 2027 um knapp ein Prozent zulegen – Konsum und Investitionen tragen jeweils zur Hälfte dazu bei.

Die Ergebnisse im Detail:

  • Trotz der durch die Nahostkrise zusätzlich belasteten globalen Lage ist die Weltwirtschaft erstaunlich resilient: Sie wächst 2026 um 2,3 Prozent, der Welthandel um fünf Prozent. Auch die deutschen Exporte legen 2026 um 2,8 Prozent zu, die Importe um zwei Prozent. Die positive Entwicklung ist jedoch vor allem auf Vorzieheffekte im ersten Halbjahr zurückzuführen.
  • Das Investitionsklima bleibt getrübt: Während der Staat kräftig investiert, halten sich private Unternehmen wegen hoher Kosten und geopolitischer Unsicherheit stärker zurück als vermutet. Insgesamt steigen die Anlageinvestitionen im Jahr 2026 nur um 0,5 Prozent, im Frühjahr rechnete das IW noch mit einem Plus von 1,2 Prozent.
  • Während bei den Ausrüstungsinvestitionen ein Plus von 1,8 Prozent erwartet wird, sinken die Bauinvestitionen 2026 trotz staatlicher Impulse um ein Prozent und liegen damit zwei Prozentpunkte unter der Frühjahrsprognose – vor allem wegen des kriselnden Wohnungsbaus sowie steigender Baukosten und Zinsen.
  • Der Konsum profitiert derzeit vor allem von staatlichen Impulsen. Der private Konsum wächst dagegen 2026 real nur um 0,3 Prozent. Wegen hoher Energiepreise und einer deshalb wieder höheren Inflation halten die Haushalte ihr Geld zusammen.
  • Die Beschäftigung geht zurück: 2026 gibt es rund 200.000 Erwerbstätige weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Arbeitslosen steigt trotzdem nur um 39.000 auf knapp drei Millionen, die Quote bleibt bei 6,3 Prozent.

Wachstum ist fragil

„Die deutsche Wirtschaft zeigt sich robuster als erwartet. Das ist erfreulich, aber kein Grund für Euphorie”, sagt IW-Konjunkturchef Michael Grömling. Im zweiten Halbjahr werde die Dynamik nachlassen. „Die aktuellen Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland weiterhin in einer tiefgreifenden Strukturkrise steckt“, so Grömling.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. / Foto: Fotolia



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