Investitionen für einen Platz an der Sonne
von Hubert Hunscheidt

Noch nie war der Platz an der Sonne begehrter als heute – Privathaushalte und Unternehmen richten ihre Photovoltaikanlagen gen Himmel, um möglichst viel erneuerbare Energie zu tanken. Denn nach einer Weile freut sich der eigene Geldbeutel – und die Natur gleich mit. Oder nüchtern ausgedrückt: Die Nutzung der Sonnenenergie ist nicht ohne Grund auf Rekordkurs. Die Kabelbranche muss also reichlich liefern.
Es herrscht eitel Sonnenschein: Weltweit wurden 2023 447 GW neue Solarkapazität ans Netz angeschlossen. Sie verzeichnet somit für 2023 eine außergewöhnliche Wachstumsrate von 87 %. Die Solarkapazität brach damit laut „Solar Power Europe“ alle bisherigen Rekorde. Damit dominiere die Solarenergie erneut die neu hinzugekommene globale Stromerzeugungskapazität, berichtet Solar Power Europe in seinem „Globalen Marktausblick für Solarenergie 2024-2028“.
Vorreiter der globalen Energiewende
Die Solarenergie im Vergleich: Ihr Anteil an der neuen Kapazität bei den Erneuerbaren Energien stieg ebenfalls deutlich an, um 12 Prozentpunkte gegenüber 66 Prozent im Jahr 2022 und um 22 Prozentpunkte gegenüber 56 Prozent im Jahr 2021. „Dieser neue Rekord bestätigt die Rolle der Solarenergie als etablierter und immer noch wachsender Vorreiter der globalen Energiewende, wobei mehr als dreimal mehr Kapazität installiert wurde als alle anderen erneuerbaren Technologien zusammen“, bilanziert Solar Power Europe.
Bürger und Unternehmen machen mit und unterstützen durch das Installieren von PV-Anlagen den Hochlauf der Sonnenenergienutzung. Die eigene Solaranlage gehört mittlerweile zur Normalität. Neben kleinen Balkonkraftwerken leistet die Photovoltaik auch auf größeren Freiflächen und auf Hausdächern ihren Beitrag zur Energiewende.
China bricht alle Rekorde
Geografisch betrachtet ist der größte Anteil an der globalen Marktexpansion auf China zurückzuführen. China, seit Jahren der weltweit größte Lieferant und Markt für Solarprodukte, hat laut Solar Power Europe alle bisherigen Rekorde gebrochen, indem es im Jahr 2023 253 GW neue Solar-PV-Kapazität hinzufügte, was einer Wachstumsrate von 167 % entspricht.
Der Rest der Welt installierte unterdessen „nur“ 194 GW neue Solar-PV, was einer Steigerung von 35 % gegenüber den 144 GW entspricht, die im Jahr 2022 installiert wurden. Immerhin verzeichneten laut Solar Power Europe die USA 2023 eine Wachstumsrate von 48 % mit 32,4 GW netzgekoppelter Photovoltaik. Deutschland installierte 2023 15 GW – und markierte damit einen neuen Rekord für ein europäisches Land.
Wandel zu einer Solarmacht
Doch es könnte in einiger Zeit einen neuen „Solar-Superstar“ geben. Laut Benjamin Clarke, Global Markets Manager bei Solar Power Europe, sei Oman „auf dem besten Weg“ hierhin. Das Land sei auf seinem Weg zur Abkehr von fossilen Brennstoffen auf dem richtigen Kurs. Oman habe hier eine einmalige Gelegenheit, der Welt zu zeigen, „wie man den Wandel von einer Öl- und Gasmacht zu einer Solarmacht bewältigt“.
Die Solarbranche ist also ein gigantischer Zukunftsmarkt – von der auch die Kabelbranche profitiert. Denn 80 % der weltweiten Investitionen in saubere Technologien im Jahr 2023 flossen in Photovoltaik und Batterien. Laut den „Energy Technology Perspectives 2024“ der International Energy Agency (IEA) stiegen die weltweiten Investitionen in die Fertigung in den fünf wichtigsten Lieferketten für saubere Technologien – Solar-PV, Wind, Elektrofahrzeuge (einschließlich Batterien), Elektrolyseure und Wärmepumpen – um 50 % auf 235 Milliarden USD im Jahr 2023, gegenüber 160 Milliarden USD im Jahr 2022.
Wetterbedingten Widrigkeiten ausgesetzt
Ohne essentiell notwendige Solarkabel, die Solarmodule mit den Wechselrichtern und weiteren Anlagenteilen verbindet, kann die Solarbranche allerdings nicht wachsen. Es kommt dabei ebenfalls aufs richtige Maß an, denn der Durchmesser von Solarkabeln richtet sich nach dem Stromverbrauch der Anlagen. Ist der Kabelquerschnitt größer, wird mehr Strom übertragen. Zu einer gefährlichen Überhitzung kann es durch zu dünne Kabel kommen.
Unterschiedliche Kabelarten werden benötigt. Daher reicht bei „Helukabel“ – ein Hersteller von Leitungen und Kabeln – das Portfolio von Gleichstrom-Stringkabeln zur Verbindung von Solarpaneelen über Nieder-, Mittel- und Hochspannungskabel für Anschluss und Netzeinspeisung bis hin zu Glasfaser- und Datenleitungen für Netzwerke und Kommunikation. Zudem bietet das Unternehmen integrierte Kabelmanagementsysteme, bestehend aus Verbindern, Steckern, Schläuchen, Verschraubungen, Gehäusen und Werkzeugen.
Solarkabel sind allerdings erheblichen wetterbedingten Widrigkeiten ausgesetzt. Daher verwendet Helukabel spezielle Mantelmaterialien und Isolierstoffe, die „nicht nur flammwidrig und halogenfrei, sondern auch beständig gegen Ozon, UV, Säuren und Laugen, Hydrolyse sowie Ammoniak“ sind.
Investitionen in Erweiterungen
Um Energie zu speichern, kommen häufig Batteriespeichersystems zum Einsatz. „Sie können die in einer Photovoltaik-Anlage tagsüber generierte Energie aufnehmen und nachts, wenn die Sonne nicht scheint, zur Nutzung bereitstellen. Auf diese Weise können Anwender den Wirkungsgrad ihrer Anlage optimieren, den Eigenverbrauchsanteil steigern, Lastspitzen minimieren und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern weiter verringern“, erläutert Helukabel. Auch für Batteriespeicher sind – natürlich – Strom- und Datenleitungen notwendig.
Um die Anforderungen des Marktes zu erfüllen, entwickelt sich die Kabelbranche weiter. So investiert beispielsweise die Lapp Gruppe mit einer Summe im hohen zweistelligen Millionenbereich in eine umfassende Erweiterung und Modernisierung des Logistikzentrums in Ludwigsburg. Zum einen werden neue Hallen auf dem bestehenden Gelände errichtet, „zum anderen werden das gesamte Layout grundoptimiert und der Automatisierungsgrad deutlich erhöht“, erklärt Lapp. 2026 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen werden.
Wachstum durch Balkonanlagen und Großprojekte
Auch Holosolis investiert und wird laut Unternehmensangaben im ostfranzösischen Hambach die größte Photovoltaikmodulfabrik Europas bauen. Es entsteht eine hochmoderne 5-GWp-Fabrik, die 2025 die Produktion aufnimmt. Holosolis wird 10 Millionen PV-Module pro Jahr produzieren, was dem Energiebedarf von 1 Million Haushalten entspricht.
Investitionen, die sich auch mit Blick auf Großprojekte rechnen könnten: So entstand nun das zweitgrößte Photovoltaik-Kraftwerk der Welt in China. Umgerechnet fast 1,6 Milliarden Euro investierte CHN Energy in eine 3-Gigawatt-Anlage, die voraussichtlich 5,7 Terawattstunden im Jahr erzeugen wird. Große Projekte wie diese, aber auch kleinere „Balkonprojekte“ dürften der Solarenergie – und damit auch der Kabelbranche – künftig zu weiterem Wachstum verhelfen.
Trends und Highlights aus den Industriebereichen Draht, Kabel und Rohre sind auf den Weltleitmessen wire & Tube vom 13. bis 17. April 2026 in Düsseldorf zu erleben. Aktuelle Branchen- und Produktinformationen sind auch auf linkedin zu finden.
Quelle: Messe Düsseldorf GmbH / Foto: marketSTEEL