Innovative Wasserstoffgewinnung aus Hochofengasen soll Stahlindustrie dekarbonisieren
von Hubert Hunscheidt
Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts H2Loop arbeiten mehrere Industrie- und Forschungspartner an innovativen Lösungen zur Dekarbonisierung der Stahlindustrie. Ziel des Projekts ist es, Wasserstoff nachhaltig aus Hochofengasen zu gewinnen und damit CO₂-Emissionen im Stahlsektor deutlich zu reduzieren. Die Initiative wird von der Europäischen Kommission im Rahmen des RFCS-BIG-TICKET-Programms kofinanziert.
Technologieanbieter im Projekt ist die Rouge H2 Engineering AG, die ihr patentiertes Chemical-Looping-Hydrogen-(CLH)-Verfahren einbringt. Mit dieser Technologie lässt sich Wasserstoff direkt aus metallurgischen Prozessgasen erzeugen. Technologisch unterstützt wird Rouge H2 Engineering von der AMBARtec AG, deren Expertise insbesondere bei eisenoxidbasierten Materialien und der Skalierung industrieller Verfahren liegt.

Neben Rouge H2 Engineering und AMBARtec sind das VDEh-Betriebsforschungsinstitut (BFI), Acciaierie d’Italia in Sonderverwaltung sowie die Polytechnische Universität Turin an dem vierjährigen Projekt beteiligt. Eine Pilotanlage soll am Standort Taranto realisiert werden, um die Praxistauglichkeit und Effizienz des CLH-Verfahrens unter realen industriellen Bedingungen zu demonstrieren. Bei einem jüngsten Projekttreffen vor Ort wurden dafür die technischen Rahmenbedingungen im Stahlwerk analysiert.
H2Loop verfolgt das Ziel, die Umwandlung von Hüttengasen in klimafreundlichen Wasserstoff wirtschaftlich und skalierbar zu gestalten. Damit könnte das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Transformation der europäischen Stahlindustrie leisten und gleichzeitig die Versorgung mit industriell nutzbarem Wasserstoff verbessern. Die beteiligten Partner sehen in dem Ansatz ein vielversprechendes Instrument, um Wettbewerbsfähigkeit, Klimaschutz und Ressourceneffizienz im Stahlsektor miteinander zu verbinden.
Quelle und Fotos: Rouge H2 Engineering AG