Industrie in der Eurozone schrumpft stärker als erwartet

von Hubert Hunscheidt

Die industrielle Aktivität in der Eurozone hat sich zum Jahresende 2025 stärker eingetrübt als zunächst angenommen. Der HCOB-Fertigungs-PMI sank im Dezember auf 48,8 Punkte und lag damit sowohl unter der vorläufigen Schätzung von 49,2 als auch unter dem Novemberwert von 49,6. Damit verzeichnete die Industrie die schnellste Schrumpfung seit März.

Haupttreiber der Entwicklung waren rückläufige Produktionsmengen und ein deutlicher Rückgang der Neuaufträge. Besonders ausgeprägt fiel die Verschlechterung in Deutschland aus, das seit Februar die schwächste Performance innerhalb der Eurozone zeigt. Auch Italien und Spanien blieben im kontraktiven Bereich. Frankreich bildete hingegen eine Ausnahme und verzeichnete die stärkste industrielle Expansion seit Juni 2022.

Die Beschäftigung ging in der gesamten Eurozone weiter zurück. Damit setzte sich die Phase von Arbeitsplatzverlusten in der Industrie bereits seit über zweieinhalb Jahren fort. Gleichzeitig sanken die Auftragsbestände, was darauf hindeutet, dass die vorhandenen Kapazitäten ausreichen, um das aktuelle Auftragsvolumen abzuarbeiten.

Auf der Kostenseite verschärfte sich der Druck erneut: Die Inflation der Inputpreise erreichte ein 16-Monats-Hoch. Dennoch blieb die Preissetzungsmacht begrenzt, da sich die Absatzentwicklung trotz anhaltender Rabatte weiter abschwächte.

Bemerkenswert ist jedoch der Stimmungsumschwung beim Ausblick. Trotz der aktuellen Schwäche zeigten sich die Unternehmen so optimistisch wie seit Februar 2022 nicht mehr. Der verbesserte Ausblick deutet darauf hin, dass Teile der Industrie auf eine Stabilisierung im Verlauf des kommenden Jahres setzen – auch wenn die kurzfristigen Risiken für die europäische Industrie weiterhin hoch bleiben.

Quelle: S+P Global / Foto: Fotolia