AGV Stahl bezieht Position zur Tarifrunde Stahl 2025

von Hubert Hunscheidt

Die Erklärung der IG Metall zur bevorstehenden Tarifrunde für das Tarifgebiet der nordwestdeutschen Stahlindustrie vom gestrigen Tag bewertet der Arbeitgeberverband Stahl e.V. wie folgt:

  1. Die Tarif- und Sozialpartner der deutschen Stahlindustrie haben insbesondere in Krisenzeiten stets die Kraft zu verantwortungsvollen Tarifabschlüssen aufgebracht. Wir begrüßen es daher sehr, dass die Gewerkschaft die dramatische Situation unserer Industrie ausdrücklich zum Ausgangspunkt ihrer endgültigen Forderungsaufstellung machen will. Die im September beginnende Tarifrunde sollte von beiden Seiten konzentriert und auf das Wesentliche fokussiert gestaltet werden.

  2. Es bleibt abzuwarten, was die IG Metall konkret unter einer „Reallohnsicherung“ versteht. Wir weisen allerdings mit Nachdruck darauf hin, dass eine Reallohnsicherung, sofern sie zu einer tariflichen Entgelterhöhung führt, die derzeitigen und absehbaren finanziellen Möglichkeiten der Stahlunternehmen überfordert. Sie ist daher, anders als in der Verlautbarung der IG Metall offenbar unterstellt, keineswegs selbstverständlich. Auch etwaige positive Effekte aus dem Infrastrukturpaket bzw. den geplanten Ausgaben für Verteidigung vergrößern die Verteilungsmasse nicht. Soweit sie – insbesondere im Hinblick auf das europäische Vergaberecht – bei den Unternehmen überhaupt zu Zählbarem führen, werden bis dahin noch mehrere Tarifrunden ins Land gehen. Sollte es zu Entlastungen bei den Strom- und Energiekosten kommen, handelt es sich hierbei faktisch um überlebensnotwendige Mittel und nicht um „Gewinne“, die über eine Tariferhöhung quasi als Vorschuss verteilt werden könnten.

  3. Für Gespräche über eine Fortschreibung der bestehenden tarifvertraglichen Instrumente zur Beschäftigungssicherung stehen wir ebenso zur Verfügung wie für eine weitere Stärkung der betrieblichen Ausbildung.

Zusammenfassend erklärt der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Stahl, Dr. Gerhard Erdmann: „Krisenzeiten sind die Stunde der Sozialpartner. Arbeitgeber und Gewerkschaft sind gemeinsam in der Pflicht, gerade in der aktuellen Situation zu einem verantwortungsvollen, den tatsächlichen Gegebenheiten Rechnung tragenden Tarifabschluss zu kommen.“

Quelle: Arbeitgeberverband Stahl e.V. / Foto: marketSTEEL