Hydro recycelt Aluminium aus ausgemusterten Zügen für neue Schienenfahrzeuge

von Hubert Hunscheidt

Aluminium und Stahl aus ausgemusterten Zügen sollen künftig wieder als Rohstoffe für neue Schienenfahrzeuge dienen. Im von Siemens Mobility geführten Pilotprojekt Train2Train arbeiten Hydro, die TSR Group und voestalpine daran, einen möglichst geschlossenen Materialkreislauf für die Bahnindustrie aufzubauen. Dabei spielen neben dem Recycling auch Rückverfolgbarkeit und die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette eine zentrale Rolle.

Im Rahmen des Projekts demontiert TSR ausgemusterte Schienenfahrzeuge und trennt die zurückgewonnenen Materialien. Das Aluminium geht anschließend an Hydro und wird im belgischen Recyclingwerk Ghlin eingeschmolzen. Der ebenfalls zurückgewonnene Stahl wird an voestalpine zur Wiederverwertung und weiteren Verarbeitung geliefert.

Vom alten Zug zum neuen Aluminiumprofil

Hydro verarbeitet das eingeschmolzene Aluminium zu neuen Pressbolzen. Diese dienen anschließend im Hydro-Werk Lichtervelde in Belgien als Vormaterial für die Herstellung von Aluminium-Strangpressprofilen.

Damit soll Train2Train zeigen, dass Aluminium aus Schienenfahrzeugen am Ende ihrer Nutzungsdauer nicht lediglich als allgemeiner Sekundärrohstoff verwertet, sondern wieder gezielt in den Materialkreislauf der Bahnindustrie zurückgeführt werden kann.

Hydro setzt dabei in seinem Werk Ghlin auf einen Massenbilanzansatz. Die Menge des aus den stillgelegten Zügen eingebrachten Aluminiums wird bilanziell den entsprechenden Mengen des produzierten Recyclingaluminiums zugeordnet. Auf diese Weise sollen Materialströme nachvollziehbar in bestehende Recycling- und Produktionsprozesse integriert werden.

Aluminium und Stahl im Kreislauf halten

„Aluminium kann wiederholt recycelt werden, ohne seine Eigenschaften zu verlieren“, erklärt Piotr Chmielewski, Vice President Automotive, Rail and Automation bei Hydro Extrusions Europe. Die Verbindung von Recycling-Know-how, digitaler Rückverfolgbarkeit und Fertigungskapazitäten eröffne neue Möglichkeiten für zirkuläre Lösungen in der Bahnindustrie.

Das Train2Train-Projekt geht dabei über Aluminium hinaus. Ziel ist es, zu demonstrieren, dass wesentliche Werkstoffe eines ausgemusterten Zuges zurückgewonnen, aufbereitet und erneut für die Herstellung von Schienenfahrzeugen eingesetzt werden können.

Gerade vor dem Hintergrund angespannter globaler Lieferketten gewinnt die Kontrolle über solche Materialströme an Bedeutung. Train2Train verbindet deshalb Demontage, Sortierung, Recycling, Materialverarbeitung und erneute Fertigung zu einer gemeinsamen Wertschöpfungskette.

Quelle und Foto: Norsk Hydro ASA