Hohe Strompreise gefährden Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlindustrie

von Hubert Hunscheidt

Die europäische Stahlindustrie schlägt Alarm angesichts dauerhaft hoher und volatiler Strompreise. Der Branchenverband EUROFER unterstützt einen in Antwerpen verabschiedeten industriepolitischen Aufruf, der von der Europäischen Union kurzfristige Maßnahmen zur Senkung der Elektrizitätskosten verlangt. Niedrigere Strompreise gelten dabei als zentrale Voraussetzung für Investitionen, Elektrifizierung und Dekarbonisierung in Europa.

Nach Einschätzung des Verbands zählen hohe Energiepreise – zusätzlich belastet durch Steuern und CO₂-Kosten – inzwischen zu den größten Investitionshemmnissen der Branche. Um industrielle Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfungsketten zu sichern, müssten die Strompreise wieder näher an das Vorkrisenniveau von rund 44 Euro pro Megawattstunde herangeführt werden. Für Investitionen in CO₂-armen Stahl seien Gesamtkosten von etwa 50 Euro pro Megawattstunde entscheidend.

Gleichzeitig fordert EUROFER kurzfristige Entlastungsmaßnahmen, um Produktion und Investitionen in Europa zu halten, während strukturelle Reformen zur Entkopplung der Strompreise von fossilen Energieträgern umgesetzt werden. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen drohten Investitionsverlagerungen ins Ausland sowie der Verlust industrieller Kapazitäten. Die Sicherung der Stahlproduktion sei daher nicht nur eine industriepolitische Frage, sondern zentral für wirtschaftliche Sicherheit und strategische Autonomie Europas.

Quelle: EUROFER / Foto: marketSTEEL