HitecVision übernimmt Vow Green Metals – Schub für industrielle Biokohlenstoff-Produktion

von Hubert Hunscheidt

Der norwegische Energieinvestor HitecVision hat offiziell die Mehrheit an Vow Green Metals übernommen und wird damit neuer Haupteigentümer des Unternehmens. Mit dem strategischen Schritt will Vow Green Metals seine Produktion ausweiten und seine Position als führender europäischer Hersteller von Biokohlenstoff ausbauen – einem klimafreundlichen Ersatz für fossile Kohlenstoffe, insbesondere in der Metall- und Stahlindustrie.

Mit dem neuen Eigentümer im Rücken startet das Unternehmen in eine neue Entwicklungsphase: Im Fokus steht der Aufbau einer integrierten industriellen Plattform für die Biokohlenstoffproduktion. Biokohlenstoff gilt als Schlüsseltechnologie zur Emissionsminderung in energieintensiven Branchen. Zukünftig wird Vow Green Metals alle Produktionsanlagen im Alleinbesitz betreiben.

Die Übernahme hatte sich bereits im Mai angekündigt: Am 16. Mai legte HitecVision ein öffentliches Übernahmeangebot vor. Bis zum Ende der Annahmefrist am 23. Juni sicherte sich das Unternehmen über seine Beteiligungsgesellschaft Midas Industri AS 91,4 % der Anteile. Die Aktien wurden zuletzt am 27. Juni an der Euronext Growth Oslo gehandelt; die formale Dekotierung ist für den 4. Juli vorgesehen.

Die bisherigen Miteigentümer Vardar AS und Skagerak Energipartner AS bleiben weiterhin Anteilseigner und begleiten die nächste Wachstumsphase.

Großprojekte für 200.000 Tonnen Jahreskapazität

Die neue Eigentümerstruktur unterstützt die ambitionierte Wachstumsstrategie: Am Standort Hønefoss entsteht derzeit eine großindustrielle Biokohlenstoffanlage, deren Produktionskapazität vollständig ausgeschöpft werden soll. Weitere Anlagen sind in Planung – unter anderem im Viken Park in Østfold und im Industriepark Eiktyr in Orkland. In enger Zusammenarbeit mit regionalen Partnern sollen bis 2030 mehrere Großanlagen mit einer Gesamtkapazität von 200.000 Tonnen Biokohlenstoff jährlich errichtet werden.

„Das ist eine großartige Nachricht für alle, die sich für nachhaltige Industrie und regionale Wertschöpfung einsetzen. Mit einem langfristig orientierten Eigentümerkonsortium im Rücken können wir unsere Wachstumspläne realisieren und eine profitable grüne Industrie aufbauen“, sagt Cecilie Jonassen, CEO von Vow Green Metals.

Industrielle Expertise und frisches Kapital

HitecVision ist einer der führenden europäischen Private-Equity-Investoren im Energiesektor mit einem verwalteten Vermögen von rund 9 Milliarden Euro. Zu den Beteiligungen zählen u. a. der Biogasproduzent St1 Biokraft, der Fernwärmeanbieter Hafslund Celsio und das Offshore-Windunternehmen Vårgrønn. Gemeinsam mit Vardar und Skagerak Energipartner bringt HitecVision industrielles Know-how und Kapital für das weitere Wachstum von Vow Green Metals ein.

Ein neuer Aufsichtsrat wurde bereits bestellt. Den Vorsitz übernimmt Jan Arve Haugan, ein erfahrener Industrie-Manager mit Stationen bei Hydro, Kværner und der Aker-Gruppe. Ebenfalls neu im Gremium: Christian Kronstad, Senior Partner bei HitecVision mit Schwerpunkt auf Infrastruktur und grüne Investments.

„Vow Green Metals steht für eine neue norwegische Industrie mit großer Zukunft. Biokohlenstoff spielt eine zentrale Rolle in der Dekarbonisierung der Prozessindustrie – und wir verfügen jetzt über die nötige industrielle Basis, um diesen Markt zu skalieren“, so Haugan.

Biokohlenstoff als Klimalösung – auch für die Stahlbranche

Die norwegische Umweltbehörde stuft Biokohlenstoff als zentrales Klimainstrument ein. Bis 2030 könnten durch die Substitution fossiler Kohle über 1,4 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden – bis 2035 sogar mehr als 1,6 Millionen Tonnen. Besonders relevant ist das für metallurgische Prozesse, in denen fossile Reduktionsmittel bislang alternativlos waren.

Vow Green Metals gilt als führender Anbieter von Biokohlenstoff für die metallurgische Industrie und hat bereits langfristige Lieferverträge mit Branchengrößen wie Elkem und dem finnischen Edelstahlkonzern Outokumpu geschlossen.

„Wir investieren in Unternehmen, die industrielle Wertschöpfung mit messbarem Klimanutzen verbinden – Vow Green Metals ist hier ein Musterbeispiel. Die Nachfrage ist da, das Wachstumspotenzial ebenfalls. Jetzt geht es darum, daraus einen grünen Industriemotor zu machen“, so Christian Kronstad von HitecVision.

Quelle und Foto: HitecVision AS