Historisches Niedrigwasser am Rhein bedroht Schifffahrt und Industrieversorgung

von Hubert Hunscheidt

Der Rhein steuert auf neue historische Niedrigwasserstände zu. Nach aktuellen Prognosen könnte der Pegel am wichtigen Schifffahrtsmesspunkt Kaub am 1. August auf nur noch 24 Zentimeter sinken und damit den bisherigen Tiefstwert von 25 Zentimetern aus dem Dürrejahr 2018 unterschreiten. Auch am Pegel Köln wird mit einem neuen Rekordtief gerechnet: Erwartet werden 67 Zentimeter, zwei Zentimeter weniger als der bisherige Negativwert.

Die außergewöhnlich niedrigen Wasserstände beeinträchtigen bereits den Güterverkehr auf Deutschlands wichtigster Wasserstraße. Frachtschiffe können ihre Ladekapazitäten nur noch eingeschränkt nutzen oder müssen ihre Transporte auf mehrere Schiffe verteilen. Dadurch steigen Transportkosten und Laufzeiten, während gleichzeitig die Versorgung der Industrie mit Rohstoffen und Energieträgern erschwert wird.

Besonders betroffen sind Branchen mit hohem Bedarf an Massengütern wie Stahl, Chemie, Energie und Baustoffe. Bereits das historische Niedrigwasser im Jahr 2018 hatte nach Angaben der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund 2,4 Milliarden Euro verursacht.

Die aktuelle Entwicklung verdeutlicht erneut die hohe Abhängigkeit der deutschen Industrie von der Rheinschifffahrt. Sollten die Pegelstände in den kommenden Tagen weiter fallen, dürfte der Druck auf Logistikunternehmen und Industrie weiter zunehmen. Experten sehen darin ein weiteres Signal für die Notwendigkeit, Lieferketten widerstandsfähiger zu gestalten und alternative Transportkapazitäten auszubauen.