Hauptversammlung der thyssenkrupp AG stimmt Verselbstständigung von tk accelis zu
von Hubert Hunscheidt
Damit schafft thyssenkrupp die Grundlage für einen eigenständigen, börsennotierten Werkstoffhändler und Lieferkettendienstleister. Mit der Strategie „Materials-as-a-Service“ verbindet tk accelis Materialversorgung, An- und Verarbeitung, Logistik sowie digitale Lieferkettenlösungen und entwickelt sein Geschäft zielstrebig über den klassischen Werkstoffhandel hinaus.
Im Zuge der Transaktion sollen 49 Prozent der Anteile an der künftigen tk accelis Group AG & Co. KGaA direkt auf die Aktionärinnen und Aktionäre der thyssenkrupp AG übertragen werden. Die thyssenkrupp AG bleibt mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafterin und behält damit eine starke strategische Verankerung in dem Geschäft. Die Aktionärinnen und Aktionäre erhalten für je zwanzig thyssenkrupp Aktien eine Aktie der tk accelis Group AG & Co. KGaA. Die Zuteilung erfolgt verhältniswahrend. Die Börsennotierung der tk accelis Group AG & Co. KGaA im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse ist noch im laufenden Kalenderjahr vorgesehen.
Prof. Dr.-Ing. Siegfried Russwurm, Vorsitzender des Aufsichtsrats der thyssenkrupp AG: „Mit der Verselbstständigung erhält tk accelis gleichermaßen Freiheit und Verantwortung, sich eigenständig zu entwickeln. Dies entspricht der Unternehmensstrategie von thyssenkrupp und gibt die zeitgerechte Antwort auf die Erfordernisse von Markt und Kunden: Industrielle Kunden erwarten heute mehr als eine verlässliche Materialversorgung. Sie brauchen Partner, die globale Beschaffungsmärkte verstehen, Lieferketten steuern, Verarbeitungskompetenz einbringen und digitale Transparenz schaffen. Genau in dieser Kombination liegt das Potenzial von tk accelis. Dies konsequent unternehmerisch auszubauen, liegt im Kerninteresse unserer Eigner und ist der Schlüssel für eine gute Entwicklung des Unternehmens im Sinne aller seiner Stakeholder.“
Ein zentrales Element der neuen Struktur ist der direkte Zugang von tk accelis zum Kapitalmarkt. Dieser schafft die Voraussetzungen für eine größere finanzielle Flexibilität von tk accelis.
Miguel López, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG: „tk accelis ist bereit für den Kapitalmarkt. Das Unternehmen verfügt über eine starke Marktposition, ein bewährtes Geschäftsmodell und eine klare strategische Ausrichtung. Aus dem klassischen Werkstoffhändler wird ein Anbieter für Materials-as-a-Service, der Kundennutzen, Digitalisierung und Effizienz in den Mittelpunkt stellt. Die Eigenständigkeit versetzt tk accelis in die Lage, margenstarke Geschäfte weiter auszubauen, Marktchancen konsequenter zu nutzen und gezielt Investitionen zu tätigen. Für die thyssenkrupp AG ist dieser Schritt zugleich ein weiterer Meilenstein auf unserem Weg zu einer Finanzholding mit starken, eigenständig geführten Beteiligungen.“
Bedeutende operative Basis und klare strategische Ausrichtung
Für die rund 15.500 Beschäftigten von tk accelis eröffnet die Verselbstständigung neue Perspektiven in einem eigenständigen Unternehmen mit klarer Identität und attraktiven Entwicklungsmöglichkeiten. Die internationale Präsenz, die breite Kundenbasis und die starke operative Verankerung in industriellen Wertschöpfungsketten bilden dafür die Grundlage.
tk accelis ist wirtschaftlich gut positioniert und verfügt über ein starkes Fundament für die eigenständige Weiterentwicklung. Mit rund 400 Standorten in mehr als 30 Ländern, rund 250.000 Kunden und rund 11.000 Lieferanten (umfasst alle Lieferanten mit einem jährlichen Mindestbeschaffungsvolumen von mindestens 10.000 €) zählt tk accelis zu den führenden werksunabhängigen Werkstoffhändlern und Lieferkettendienstleistern weltweit. Nach Umsatz ist tk accelis Marktführer in Deutschland und Europa sowie drittgrößter Anbieter in Nordamerika.[1]
In den vergangenen Jahren hat tk accelis sein Geschäftsmodell konsequent weiterentwickelt: vom klassischen Werkstoffhändler hin zu einem Lieferkettendienstleister mit klarer Ausrichtung auf „Materials-as-a-Service“. Der Fokus liegt zunehmend auf Services rund um das Material – von präziser Fertigung und Verarbeitung über Lieferkettenmanagement bis zu datengetriebenen und KI-gestützten Lösungen. Dadurch soll das Geschäftsmodell margenstärker und weniger abhängig von Materialpreisvolatilität werden.
Auch operativ ist tk accelis gut aufgestellt. Im Geschäftsjahr 2024/2025 erwirtschaftete das Unternehmen basierend auf den Zahlen aus der thyssenkrupp AG Segmentberichtserstattung einen Umsatz von 11,4 Mrd € und ein Bereinigtes EBIT von 132 Mio. €. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2025/26 (Januar–März 2026) erzielte tk accelis entsprechend der Segmentberichterstattung der thyssenkrupp AG einen Umsatz von 3,2 Mrd. € (+5 % gegenüber dem Vorjahresquartal) und ein operatives Ergebnis (Bereinigtes EBIT) von 81 Mio. € (+179 % gegenüber dem Vorjahresquartal). tk accelis verfügt über ein resilientes Geschäftsmodell und erwirtschaftet über die Konjunkturzyklen hinweg verlässlich Erträge und Cashflows.
tk accelis profitiert von strukturellen Trends. Geopolitische Unsicherheiten und neue Handelsbarrieren erhöhen den Bedarf an resilienten, regionaleren und verlässlichen Lieferketten. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach digitalen Lösungen und spezialisierten Dienstleistungen entlang industrieller Wertschöpfungsketten. Zukunftsbranchen wie Luftfahrt und Verteidigung, Rechenzentren und industrielle Elektrifizierung sowie Infrastrukturinvestitionen in Europa schaffen zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten.
Die Verselbstständigung von tk accelis markiert einen weiteren zentralen Meilenstein im Rahmen der strategischen Neuausrichtung der thyssenkrupp AG. Mit ACES 2030 verfolgt der Konzern das Ziel, sich von einem integrierten Industriekonzern zu einer Finanzholding weiterzuentwickeln. Unter dem Dach der thyssenkrupp AG sollen starke, eigenständige und unternehmerisch verantwortliche Beteiligungen geführt werden, die ihre jeweiligen Marktchancen gezielt nutzen können.
Im Zusammenhang mit der Verselbstständigung von tk accelis stimmte die außerordentliche Hauptversammlung auch der Wahl des Prüfers für die nach dem Umwandlungsgesetz erforderliche Schlussbilanz zu. Des Weiteren stand eine Änderung der Satzung der thyssenkrupp AG zur Abstimmung. Diese Satzungsänderung berücksichtigt die größere Eigenständigkeit börsennotierter Beteiligungen und trägt damit der sich wandelnden Rolle der thyssenkrupp AG hin zu einer Finanzholding Rechnung. Auch diesem Tagesordnungspunkt stimmte die außerordentliche Hauptversammlung zu.
Die Abstimmungsergebnisse zu den einzelnen Tagesordnungspunkten und Beschlüssen der außerordentlichen Hauptversammlung finden Sie hier: Hauptversammlung.
Nächster Schritt: thyssenkrupp Steel Europe kündigt Kapitalmarkttag 2026 an
Der Konzern plant bereits den nächsten Schritt in seinem Transformationsprozess: thyssenkrupp Steel Europe wird für Ende September einen Kapitalmarkttag (Capital Markets Day; CMD) vorbereiten. „Mit dem Kapitalmarkttag werden wir unseren Investorinnen und Investoren sowie unseren Analystinnen und Analysten ein klares und transparentes Bild über die wirtschaftliche Entwicklung von thyssenkrupp Steel Europe sowie über den Erfolg ihrer bisherigen Neuausrichtung geben“, erläutert CEO Miguel López.
Der Kapitalmarkttag knüpft an die jüngsten strukturellen Fortschritte des Stahlbereichs an.
Weitere Details zum geplanten CMD werden zu gegebener Zeit bekanntgegeben.
[1] Marktposition in Deutschland basierend auf Unternehmensanalyse. Marktposition in Europa und Nordamerika basierend auf McKinsey-Analyse entlang geschätzter Umsätze der Top5 im Markt und Unternehmensanalyse.
Quelle und Foto: Thyssenkrupp AG