Gute Technik allein macht noch keine gute Meldung
von Hubert Hunscheidt
Tag für Tag erreichen uns bei marketSTEEL Pressemitteilungen aus der Stahl- und Metallindustrie. Über neue Anlagen, Werkstoffe, Aufträge und Investitionen. Über Digitalisierung, Automatisierung oder neue Verfahren, mit denen sich Energie und CO₂ einsparen lassen. An interessanten Themen mangelt es also nicht.
Trotzdem gibt es Pressemitteilungen, bei denen wir uns nach dem Lesen fragen: Was ist hier eigentlich die Nachricht?
Das Interessante daran: Meist liegt es nicht am Thema. Es liegt daran, wie es erzählt wird: Da wird eine neue Maschine über mehrere Absätze ausführlich beschrieben. Dass sie doppelt so schnell arbeitet wie ihre Vorgängerin, erfährt der Leser ganz am Ende. Ein Unternehmen meldet eine Millioneninvestition, verrät aber nicht, wie stark dadurch die Kapazität steigt. Oder eine neue Software wird als „innovativ“, „zukunftsweisend“ und „maßgeschneidert“ vorgestellt. Was sie im täglichen Betrieb tatsächlich besser macht, bleibt offen. Schade eigentlich. Denn häufig steckt genau dort die Nachricht, nach der wir suchen.
Was ist neu und was bringt es?
Gerade Industrieunternehmen neigen verständlicherweise dazu, ihre Produkte aus Sicht der eigenen Entwicklung zu beschreiben. Schließlich wissen die Ingenieure, wie viel Arbeit in einer neuen Anlage, einem Werkstoff oder einer Software steckt.
Den Leser interessiert zunächst etwas anderes.
Was kann die neue Lösung, was vorher nicht möglich war? Spart sie Energie? Steigt die Leistung? Lassen sich dickere Bleche schneiden, größere Rohre bearbeiten oder engere Toleranzen erreichen? Verkürzt sich die Lieferzeit? Werden Arbeitsschritte eingespart?
Solche Angaben machen eine Meldung konkret.
Das gilt auch für Investitionen. Fünf oder zehn Millionen Euro sind zunächst eine beeindruckende Summe. Für den Leser wird daraus eine Geschichte, wenn er erfährt, was mit dem Geld geschieht: eine neue Produktionslinie, zusätzliche Kapazitäten, 50 neue Arbeitsplätze oder vielleicht eine Technologie, die erstmals am Standort eingesetzt wird. Und Zahlen sind fast immer besser als Adjektive. „30 Prozent weniger Energieverbrauch“ sagt mehr als „besonders energieeffizient“. „50.000 Tonnen zusätzliche Jahreskapazität“ ist aussagekräftiger als „deutliche Kapazitätserweiterung“.
Man muss nicht alles erzählen
Eine Pressemitteilung muss auch nicht jedes technische Detail enthalten. Das fällt Unternehmen mit erklärungsbedürftigen Produkten manchmal schwer. Für eine gute Meldung reichen oft eine klare Neuigkeit, einige belastbare Fakten und die Antwort auf die Frage, warum das Thema für den Markt interessant ist. Technische Details dürfen und sollen hinein, schließlich sprechen wir bei marketSTEEL mit Fachleuten. Aber sie sollten die Geschichte unterstützen und sie nicht unter sich begraben.
Genau hier beginnt auch unsere Arbeit als Fachmedium. Wir kürzen, gewichten und stellen das heraus, was für die Stahl- und Metallbranche interessant ist. Aus einer umfangreichen Unternehmensmeldung wird so mitunter eine Nachricht von wenigen Absätzen. Das ist keine Geringschätzung der übrigen Informationen. Im Gegenteil: Es bedeutet, den Kern sichtbar zu machen.
Eine gute Geschichte darf auch gefunden werden
Hinzu kommt inzwischen ein Punkt, der für die Pressearbeit von Unternehmen immer wichtiger wird. Ein Fachbeitrag oder eine Unternehmensmeldung wird nicht mehr nur von den Abonnenten eines Newsletters oder den Besuchern einer Website gelesen.
Informationen werden über Suchmaschinen gefunden und zunehmend über KI-Systeme recherchiert und aufbereitet. Damit bekommt gute Fachkommunikation eine zweite Lebensdauer. Eine präzise beschriebene Technologie, ein konkretes Anwendungsbeispiel oder belastbare technische Daten können noch lange nach der eigentlichen Veröffentlichung bei einer Recherche relevant sein.
Das Stichwort lautet GEO – Generative Engine Optimization. Damit werden wir uns in dieser Serie noch ausführlicher beschäftigen. Für den Moment reicht eine einfache Erkenntnis: Wer etwas Interessantes entwickelt, baut oder investiert, sollte auch darüber sprechen. Nur bitte nicht die wichtigste Nachricht im letzten Absatz verstecken.
Herzlichst
Ihr marketSTEEL-Team