Grüner Stahl: Hohe Kosten bremsen die Nachfrage

von Hubert Hunscheidt

Zwischen den Klimazielen vieler Unternehmen und ihrer tatsächlichen Bereitschaft, höhere Preise für CO₂-reduzierten Stahl zu bezahlen, klafft weiterhin eine Lücke. Darauf weist das britische Stahlmarktanalyseunternehmen MEPS International hin. Vor allem die begrenzte Zahl tatsächlicher Handelsabschlüsse erschwert es bislang, verlässliche Marktpreise für emissionsarm hergestellten Stahl zu ermitteln.

Nach den Marktbeobachtungen von MEPS werden bislang nur vergleichsweise geringe Mengen CO₂-reduzierten Stahls gehandelt. Besonders ausgeprägt ist die Zurückhaltung auf dem Spotmarkt. Damit fehlt es zugleich an einer ausreichenden Zahl von Transaktionen, um belastbare Preisbenchmarks zu entwickeln.

CBAM könnte die Wettbewerbsbedingungen verändern

Eine wichtige Rolle für die weitere Marktentwicklung spielt nach Einschätzung von MEPS das europäische CO₂-Grenzausgleichssystem CBAM. Die damit verbundenen Emissionskosten könnten die Wirtschaftlichkeit von CO₂-reduziertem Stahl gegenüber emissionsintensiv hergestellten Importprodukten verändern.

Welche Auswirkungen das auf Preise und Beschaffungsentscheidungen haben wird, ist allerdings noch Gegenstand der Diskussion. Für Stahleinkäufer stellt sich insbesondere die Frage, wie sich zusätzliche CO₂-Kosten künftig auf unterschiedliche Bezugsquellen und Materialpreise auswirken.

Neben dem europäischen Grenzausgleich wird auch die geplante Einführung eines britischen CBAM zum 1. Januar 2027 die Rahmenbedingungen im Stahlhandel beeinflussen.

MEPS stellt Markteinschätzungen in London vor

Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch die Konferenz „The Future of Green Steel“, die am 28. und 29. Oktober 2026 im Millennium Gloucester Hotel in London stattfindet.

Zu den Referenten gehören Kaye Ayub, Leiterin der Preisanalyse und Prognosen bei MEPS International, sowie Stahlmarktanalyst Jon Carruthers-Green. In ihren Vorträgen werden sie die Preisentwicklung bei CO₂-reduziertem Stahl und die Bedeutung der europäischen CO₂-Grenzausgleichsmechanismen (CBAM) für den Stahlmarkt beleuchten.

Im Mittelpunkt stehen dabei die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine breitere Nachfrage nach emissionsarm hergestelltem Stahl sowie die Auswirkungen von CO₂-Kosten auf Beschaffungsentscheidungen.

Für die Stahlindustrie bleibt damit eine zentrale Frage offen: Unter welchen wirtschaftlichen Bedingungen wird CO₂-reduzierter Stahl vom bislang vergleichsweise selten gehandelten Produkt zu einer regulären Beschaffungsoption?

Quelle und Bild: MEPS International