Greensand startet erstes CO₂-Großspeicherprojekt der EU

von Hubert Hunscheidt

Mit Greensand nimmt am 18. September 2026 nach Angaben des Projekts der erste CO₂-Speicher in der Europäischen Union den Betrieb im industriellen Maßstab auf. Das Projekt soll abgeschiedenes Kohlendioxid aus energieintensiven Industrien dauerhaft unter dem Meeresboden der Nordsee speichern und damit auch neue Möglichkeiten für die Dekarbonisierung der europäischen Stahlindustrie eröffnen.

Als großtechnisch beziehungsweise „full-scale“ gilt Greensand mit einer Einspeicherung von mehr als 100.000 Tonnen CO₂ pro Jahr. Das Projekt verweist bei dieser Einordnung unter anderem auf Daten des Global CCS Institute und Arbeiten der Europäischen Kommission zu den europäischen CO₂-Speicherkapazitäten.

Bis zu 400.000 Tonnen CO₂ pro Jahr zum Start

Greensand Future soll zunächst bis zu 400.000 Tonnen CO₂ jährlich sicher und dauerhaft speichern können. Bis 2030 ist ein schrittweiser Ausbau vorgesehen. Langfristig sieht das Projekt ein Potenzial von vier bis acht Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr.

Damit erreicht Carbon Capture and Storage (CCS) in Europa eine neue Größenordnung. Während bisherige Projekte vor allem der Erprobung der Prozesskette dienten, soll Greensand Abscheidung, Transport und dauerhafte geologische Speicherung im kommerziellen Maßstab miteinander verbinden.

Das abgeschiedene CO₂ wird dazu transportiert und in geeignete geologische Formationen unter dem Meeresboden eingebracht.

CCS als Baustein für Stahl und andere Grundstoffindustrien

Besonders relevant ist die Technologie für energieintensive Industrien wie Stahl, Zement und Chemie. Diese Branchen lassen sich nach Einschätzung der Europäischen Kommission nicht in allen Prozessbereichen allein durch Elektrifizierung dekarbonisieren.

CCS soll deshalb dort ansetzen, wo sich CO₂-Emissionen technologisch nur schwer oder mit sehr hohen Kosten vollständig vermeiden lassen. Für die Stahlindustrie kann dies beispielsweise bei bestimmten bestehenden Produktionsprozessen oder in Verbindung mit anderen Technologien zur CO₂-Reduzierung eine Rolle spielen.

Greensand sieht das Projekt deshalb nicht nur als Speicherlösung, sondern als Bestandteil einer europäischen Infrastruktur für industrielle Dekarbonisierung. Voraussetzung für einen breiten Einsatz seien allerdings entsprechende Transportnetze, regulatorische Rahmenbedingungen und langfristige Investitionssicherheit.

Nächste Herausforderung ist die Skalierung

Mit der Aufnahme des großtechnischen Betriebs verschiebt sich nach Einschätzung der Projektpartner die zentrale Frage. Technisch sei inzwischen nachgewiesen, dass CO₂ abgeschieden, transportiert und dauerhaft gespeichert werden könne. Entscheidend werde nun, ob Europa die notwendigen Bedingungen schafft, um solche Wertschöpfungsketten in deutlich größerem Maßstab aufzubauen.

Gerade für Europas energieintensive Industrien könnte dies auch zu einer Standortfrage werden. CCS soll Unternehmen ermöglichen, schwer vermeidbare Emissionen zu reduzieren, ohne entsprechende industrielle Produktion und Investitionen aus Europa zu verlagern.

Mit einem möglichen Ausbau auf bis zu acht Millionen Tonnen Speicherkapazität jährlich würde Greensand dabei weit über die jetzige Startphase hinausgehen und zu einem Baustein der geplanten europäischen CO₂-Infrastruktur werden.

Quelle und Foto: INEOS E&P A/S