Google kauft Umweltzertifikate für bis zu 91.000 Tonnen Stegra-Stahl
von Hubert Hunscheidt
Google und Stegra haben eine Vereinbarung über den Kauf sogenannter Environmental Attribute Certificates (EACs) geschlossen. Die Zertifikate beziehen sich auf die künftige Stahlproduktion von Stegra im schwedischen Boden. Im ersten Jahr umfasst die Vereinbarung ein Volumen von bis zu 91.000 Tonnen Stahl. Im weiteren Verlauf soll die Menge nach Möglichkeit steigen.
Google will mit den Zertifikaten stahlbezogene Emissionen aus dem eigenen Geschäft adressieren. Dazu zählt insbesondere Stahl, der beim Bau von Rechenzentren eingesetzt wird. Gleichzeitig sollen die Zahlungen Stegra zusätzliche Einnahmen während des Produktionshochlaufs in Boden verschaffen.
Umweltwert und physischer Stahl werden getrennt
Das Modell basiert auf dem sogenannten Book-and-Claim-Prinzip. Dabei werden die mit der emissionsarmen Herstellung verbundenen Umwelteigenschaften vom physischen Stahl getrennt. Der Stahl kann an einen Kunden geliefert werden, während ein anderer Käufer die damit verbundenen Umweltzertifikate erwirbt.
Damit können Unternehmen die Umwelteigenschaften emissionsarm produzierten Stahls erwerben, auch wenn eine direkte physische Beschaffung beispielsweise aufgrund geografischer Entfernungen oder unterschiedlicher Lieferketten nicht möglich ist.
„Neben der physischen Beschaffung sind Zertifikate ein weiterer wichtiger Mechanismus“, sagt Adam Elman, Director of Sustainability für Google in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Google habe vergleichbare Modelle bereits bei sauberem Strom und nachhaltigem Flugkraftstoff eingesetzt und sehe auch bei Stahl darin einen möglichen Hebel zur Verringerung industrieller Emissionen.
Stegra nutzt Nicht-Prime-Stahl für die Zertifikate
Eine Besonderheit des Modells: Stegra wendet das Book-and-Claim-Verfahren auf sogenannten Non-Prime-Stahl an. Dabei handelt es sich um Material, das nicht die Anforderungen für den Verkauf als reguläre erste Qualität erfüllt. Solche Mengen fallen in jedem Stahlwerk an; beim Hochlauf eines neuen Werks ist ihr Anteil üblicherweise höher.
Produziert wird dieser Stahl jedoch im selben Prozess wie das übrige Material. Stegra will in Boden Eisenerz mit grünem Wasserstoff reduzieren und für die Stahlherstellung erneuerbaren Strom einsetzen.
Um eine doppelte Anrechnung der vermiedenen Emissionen auszuschließen, darf der Käufer des physischen Non-Prime-Stahls nach Angaben von Stegra keine entsprechenden Umweltaussagen für dieses Material geltend machen. Die Umwelteigenschaft wird ausschließlich über das separat verkaufte Zertifikat beansprucht.
Quelle und Foto: Stegra