Gerber Group warnt vor gravierenden Fehlern in CBAM-Standardwerten

von Hubert Hunscheidt

Die Gerber Group hat die Europäische Kommission offiziell auf schwerwiegende Fehler und Inkonsistenzen in den neu veröffentlichten Standardwerten des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) hingewiesen. Die betroffenen Standardwerte wurden am 31. Dezember 2025 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht.

Nach Angaben der Gerber Group zeigen bereits erste Prüfungen zahlreiche erhebliche Unregelmäßigkeiten, insbesondere im Edelstahlsegment mit Ursprung Taiwan. Dazu zählen fehlende oder offensichtlich falsche Emissionswerte, widersprüchliche Annahmen zur CO₂-Intensität einzelner Produktionsstufen sowie technische Fehler in der Veröffentlichung. In einzelnen Fällen weisen Halbfertigprodukte höhere Emissionswerte aus als weiterverarbeitete Produkte – ein Ergebnis, das aus industrieller Sicht als kaum plausibel gilt.

Darüber hinaus legt die Analyse nahe, dass die für Taiwan veröffentlichten CBAM-Standardwerte nicht auf eigenständigen, länderspezifischen Datensätzen beruhen. Vielmehr scheinen sie weitgehend von anderen Ursprüngen übernommen worden zu sein. Aus Sicht der Gerber Group ist dies sachlich problematisch, da Taiwan über eigenständige Produktionsstrukturen verfügt, insbesondere in der Edelstahlherstellung mit Elektrolichtbogenöfen (EAF), und daher nicht mit anderen Herkunftsländern gleichgesetzt werden könne.

Die Gerber Group geht davon aus, dass die festgestellten Mängel nicht auf ein einzelnes Herkunftsland oder Produktsegment beschränkt sind. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass weitere Herkunfts- und Produktgruppen von fehlerhaften oder inkonsistenten CBAM-Standardwerten betroffen sind. Vor diesem Hintergrund hält das Unternehmen eine umfassende Überprüfung der veröffentlichten Werte für dringend erforderlich.

„Die aktuellen CBAM-Standardwerte schaffen erhebliche rechtliche und wirtschaftliche Unsicherheit für die betroffenen Unternehmen“, erklärte Thorsten Gerber, CEO der Gerber Group. Fehlerhafte oder widersprüchliche Emissionswerte stünden im Widerspruch zu den Grundsätzen guter Verwaltung und untergrüben die notwendige Planungssicherheit für Marktteilnehmer.

Die Gerber Group hat die Europäische Kommission aufgefordert, die identifizierten Fehler unverzüglich zu korrigieren und zeitnah konsistente, robuste und verlässliche Standardwerte neu zu veröffentlichen. Ziel sei es, die erforderliche Rechtssicherheit für Unternehmen wiederherzustellen, die im Rahmen des CBAM regelkonform handeln müssen.

Quelle: Gerber Holding GmbH / Foto: KI-generiert