Flacks legt neues Übernahmekonzept für Acciaierie d’Italia vor

von Hubert Hunscheidt

Die Flacks Group hat ihr Übernahmeangebot für den italienischen Stahlhersteller Acciaierie d’Italia (ADI) überarbeitet und ein neues Industriekonzept vorgestellt. Kern des Plans ist die Gründung der Gesellschaft Flacksider, die den Betrieb des Stahlwerks Tarent sichern und den Standort schrittweise auf eine CO₂-ärmere Stahlproduktion umstellen soll. Darüber berichtet Kallanish Steel.

Nach Angaben von Flacks-CEO Michael Flacks sieht das Konzept den Bau einer Direktreduktionsanlage (DRI) sowie neuer Elektrolichtbogenöfen (EAF) vor. Die bestehenden Hochöfen sollen im Zuge der Transformation schrittweise ersetzt werden. Ziel sei es, die Produktion aufrechtzuerhalten und langfristig jährlich bis zu vier Millionen Tonnen „grünen Stahl“ zu erzeugen.

Flacks hofft zudem, dass sich der italienische Staat an der neuen Gesellschaft beteiligt. Gleichzeitig kritisierte er die langwierigen Genehmigungs- und Entscheidungsprozesse in Italien, die den Fortgang des Projekts verzögerten.

Ein zentrales Element des Konzepts ist die schrittweise Wiedereinstellung aller direkt beschäftigten Mitarbeiter sowie die Wiederbelebung der Aufträge für Zulieferer und Dienstleister. Vorübergehende Personalanpassungen seien zwar möglich, langfristig solle jedoch die gesamte Belegschaft wieder beschäftigt werden.

Mit seinem Vorschlag grenzt sich Flacks deutlich vom konkurrierenden Angebot der Jindal Steel International ab. Nach seiner Einschätzung würde das indische Unternehmen den Standort Tarent vor allem zu einem Walzwerk entwickeln, das überwiegend importierte Brammen verarbeitet. Die Dekarbonisierung würde dabei im Wesentlichen durch die Stilllegung der Hochöfen und den Einsatz von Halbzeugen aus einem geplanten Stahlwerk im Oman erfolgen.

Als mögliche Partner für Flacksider gelten weiterhin der ukrainische Stahlkonzern Metinvest sowie der italienische Anlagenbauer Danieli. Während Danieli seine Beteiligung an den Gesprächen bestätigt hat, äußerte sich Metinvest bislang nicht öffentlich.

Nach Informationen aus Regierungskreisen führt Italien derzeit parallel fortgeschrittene Gespräche mit Jindal Steel über eine Verpachtung von Acciaierie d’Italia. Dessen Konzept setzt den Schwerpunkt ebenfalls auf die Weiterverarbeitung von importierten Brammen, während die Primärstahlproduktion in Tarent weitgehend eingestellt werden soll.

Quelle: Kallanish Steel / Foto: Acciaierie d’Italia S.p.A.