Exportbeschränkungen für recyceltes Kupfer beschränken Europas Rohstoffversorgung

von Hubert Hunscheidt

Exportbeschränkungen für recyceltes Kupfer würden Europas Rohstoffversorgung eher schwächen als sichern. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Trade Barriers for Copper Scrap and their Effects“, die das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS im Auftrag der Circular Metal Association (CMA) erstellt hat. Vorgestellt wurde sie am 26. Oktober auf der Herbsttagung des Weltrecyclingverbands BIR in Málaga.

Europas größtes Problem ist nach Einschätzung der Studienautoren nicht die Verfügbarkeit von Kupferschrott, sondern die Wettbewerbsfähigkeit seiner Industrie. Ob europäische Hersteller im Wettbewerb um das Material mithalten können, hängt vor allem von Energiekosten, Regulierung und den Subventionen ab, von denen Wettbewerber in anderen Regionen möglicherweise profitieren. Exportbeschränkungen würden daran nichts ändern. Sie würden aber die Anreize schwächen, Kupfer zu sammeln und aufzubereiten – vor allem bei komplexen Materialien. Damit fände weniger Material zurück in den Kreislauf, und das Angebot an Sekundärkupfer könnte langfristig schrumpfen.

Strenge Regeln für Metalle

Konkret wird die Debatte um Kupferschrottexporte durch die überarbeitete EU-Abfallverbringungsverordnung. Sie sieht vor, dass Nicht-OECD-Staaten ab dem 21. Mai 2027 nicht gefährliche Abfälle aus der EU nur noch beziehen dürfen, wenn sie für die jeweilige Abfallart auf einer Liste zugelassener Länder stehen. Einen Entwurf dieser Liste hat die Kommission im September vorgelegt, verabschiedet werden soll sie bis zum 21. November. Bei Metallen fällt der Entwurf besonders restriktiv aus – zugelassen wären nur einige EU-Beitrittskandidaten. Wichtige Abnehmer in Asien könnten damit keine recycelten Metalle mehr aus der EU beziehen, sofern diese als Abfall gelten.

Die Fraunhofer-Forscher haben untersucht, wie sich die neuen Regeln auswirken – die Länderliste ebenso wie die Pflicht, Empfängeranlagen außerhalb der EU prüfen zu lassen. Beides erhöht den Verwaltungsaufwand und die Kosten für ausländische Abnehmer. Für manche würde sich der Import aus der EU dann nicht mehr lohnen, selbst wenn sie die Prüfung bestehen könnten. In der Summe, so die Forscher, wäre die Wirkung mit einem teilweisen Exportverbot vergleichbar.

Exporte sind Symptom, nicht Ursache

Politisch begründet werden solche Einschränkungen meist mit der Versorgungssicherheit. Recyceltes Kupfer soll in der EU bleiben, damit europäische Hütten und Verarbeiter genug Rohstoff haben und weniger auf Importe angewiesen sind. Die Studie zeichnet ein anderes Bild. Knapp ist das Material auf den Weltmärkten nicht, wohl aber umkämpft. Vor allem die wachsende Nachfrage aus Asien verschärft den Wettbewerb und treibt die Preise. Entscheidend ist damit, ob europäische Unternehmen dabei mithalten können.

Auch die Handelszahlen lesen die Autoren anders als die Befürworter von Exportbeschränkungen. Seit 2023 exportiert die EU mehr recyceltes Kupfer, als sie importiert. Einen Verlust strategischer Rohstoffe sehen die Forscher darin nicht. Vielmehr könne das darauf hindeuten, dass bestimmte Qualitäten unter den heutigen Kosten-, Kapazitäts- und Regulierungsbedingungen in Europa nicht wettbewerbsfähig verwertet werden können.

Besonders deutlich wird das bei Messing. Kupfer-Zink-Legierungen machten im vergangenen Jahr 41,7 Prozent der EU-Exporte von recyceltem Kupfer aus, aber nur 14,1 Prozent der Importe. Etwa 80 Prozent davon gingen nach China und Indien. Beide Länder verfügen über große messingverarbeitende Industrien und Umschmelzkapazitäten. In Europa dagegen lässt sich solches Material unter den heutigen Bedingungen oft nicht wettbewerbsfähig verwerten.

Niedrigere Preise, weniger Recycling

Fallen solche Absatzwege weg, wie es die neuen Regeln zumindest teilweise bewirken könnten, träfe das zuerst die Preise. Normalerweise folgt der Kupferschrottpreis dem Börsenpreis für raffiniertes Kupfer. Mit weniger ausländischen Käufern würde sich diese Kopplung nach Einschätzung der Forscher lösen – Kupferschrott würde in Europa billiger. Verarbeiten könnte Europa das zusätzliche Material aber kaum, denn die vorhandenen Verwertungskapazitäten arbeiten laut Studie bereits nahe an ihrer Grenze. Profitieren könnten allenfalls Teile der Metallverarbeitung, und auch das nur vorübergehend und auf Kosten der Recyclingwirtschaft.

Wie stark die Recycler getroffen würden, hängt von der Qualität des Materials ab. Reiner Kupferschrott lässt sich oft direkt einschmelzen, das dürfte sich auch bei niedrigeren Preisen weiter lohnen. Anders sieht es bei komplexem Material aus Altgeräten aus. Es muss sortiert werden und lässt sich oft nicht direkt einschmelzen. Sinken die Preise, schwinden die Anreize, solches Material zu sammeln und aufzubereiten. Hinzu kommt, dass schon das Lagern Geld kostet. Bei einem durchschnittlichen Schrottpreis von rund 6.100 US-Dollar pro Tonne binden die Bestände so viel Kapital, dass allein die entgangenen Zinsen gut 200 Dollar pro Tonne und Jahr ausmachen. Für kleinere Sammler kann das schnell zu viel werden. Das Material bliebe liegen – und wäre damit oft dauerhaft für den Kreislauf verloren.

Am Ende litte darunter auch die Industrie, die durch Exportbeschränkungen eigentlich geschützt werden soll. Sinkende Investitionsanreize könnten langfristig das Angebot an Sekundärkupfer verringern, auf das europäische Kupferproduzenten und Verarbeiter angewiesen sind. Und wo weniger recycelt wird, muss mehr Kupfer aus Minen kommen, was die globalen Umweltbelastungen erhöhen könnte.

Wettbewerbsfähigkeit statt Abschottung

Wirksamer wäre es nach Einschätzung der Fraunhofer-Forscher, die strukturellen Schwächen in Europa selbst anzugehen. Dazu zählen sie

  • niedrigere Energiekosten
  • den Abbau regulatorischer Belastungen
  • bessere Investitionsbedingungen
  • eine wettbewerbsfähige Kupferproduktion und Weiterverarbeitung, gestützt auf effiziente Recycling- und Raffinationskapazitäten

Das langfristige Ziel dürfe nicht sein, europäische Materialströme zu isolieren, so das Fazit der Studie. Es gehe darum, Bedingungen zu schaffen, unter denen Recycling, Raffination und Verarbeitung in Europa auf den Weltmärkten bestehen können. Nur dann könne Sekundärkupfer seinen vollen Beitrag zur industriellen Resilienz, zur Kreislaufwirtschaft und zur Versorgungssicherheit leisten.

„Die Studie bestätigt, was unsere Mitgliedsunternehmen jeden Tag erleben: Europa fehlt es nicht an Recyclingrohstoffen, sondern an Bedingungen, unter denen sie hier wettbewerbsfähig verarbeitet werden können”, sagt CMA-Präsident Murat Bayram. „Exportbeschränkungen lösen dieses Problem nicht. Wer die Exporte beschränkt, drückt die Preise – und dann lohnt sich vor allem das Sammeln komplexer Materialien oft nicht mehr. Am Ende hätte die Industrie nicht mehr Rohstoffe, sondern weniger – also genau das Gegenteil von dem, was sie sich erhofft. Recycler und Industrie sitzen im selben Boot. Gemeinsam kommen wir schneller voran. Dafür brauchen wir Lösungen, die beide stärken. Nur so lässt sich die Kreislaufwirtschaft in Europa ausbauen.”

Quelle: BDSV - Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e. V. / Foto: Fotolia