Eurozone gerät unter Druck: Industrie schwächelt, Inflation zieht erneut an

von Hubert Hunscheidt

Die vorläufigen PMI-Daten für die Eurozone im April deuten laut S&P Global auf eine deutliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage hin. Der anhaltende Krieg im Nahen Osten belastet die Konjunktur zunehmend, treibt die Inflation nach oben und verschärft gleichzeitig die Probleme in den Lieferketten.

Wirtschaft rutscht wieder in den Rückgang

Der Flash-Eurozone-PMI fiel im April erstmals seit Ende 2024 wieder unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Der Gesamtindex sank auf 48,6 nach 50,7 Punkten im März. Damit signalisiert der Einkaufsmanagerindex einen leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal.

Besonders schwach entwickelte sich der Dienstleistungssektor. Die Nachfrage ging deutlich zurück, während Unternehmen gleichzeitig mit steigenden Kosten konfrontiert sind. Deutschland, Frankreich und Spanien verzeichneten Rückgänge der Wirtschaftsaktivität.

Industrieproduktion stützt sich auf Lageraufbau

Die Industrie zeigte sich zunächst robuster. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg auf 52,2 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit fast vier Jahren. Allerdings basiert dieser Anstieg laut S&P Global vor allem auf vorsorglichen Materialkäufen und Lageraufbau aufgrund befürchteter Lieferengpässe und steigender Preise – nicht auf einer nachhaltigen Nachfrageerholung.

Unternehmen bauten ihre Rohstofflager so stark auf wie seit Anfang 2022 nicht mehr. Gleichzeitig verlängerten sich die Lieferzeiten so deutlich wie seit Mitte 2022 nicht mehr.

Inflation steigt deutlich an

Besonders kritisch sehen die Analysten den starken Anstieg der Kosten. Die Energiepreise sowie Rohstoff- und Transportkosten haben sich infolge der geopolitischen Spannungen massiv erhöht. Die Inputkosten stiegen so stark wie seit 2022 nicht mehr. Viele Unternehmen geben diese Belastungen inzwischen an ihre Kunden weiter.

Die Kombination aus schwacher Konjunktur und steigender Inflation erhöht den Druck auf die Europäische Zentralbank erheblich. Während schwaches Wachstum normalerweise Zinssenkungen rechtfertigen würde, sprechen steigende Preise eher für eine restriktivere Geldpolitik.

Geschäftsklima trübt sich ein

Die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate verschlechterten sich deutlich. Die Unsicherheit über die Dauer des Konflikts, steigende Energiepreise und zunehmende Belastungen in den Lieferketten dämpfen die Investitions- und Wachstumsperspektiven.

S&P Global spricht zunehmend von „stagflationären Risiken“ – also einer Kombination aus stagnierendem Wachstum und hoher Inflation. Für die europäische Industrie verschärft sich damit der Druck zusätzlich, nachdem bereits hohe Energiepreise, globale Überkapazitäten und regulatorische Belastungen die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen.

Quelle: S+P Global / Foto: Fotolia