Europas Stahlindustrie: Produktion auf historischem Tiefstand, Importanteil auf Rekordniveau
von Hubert Hunscheidt
Produktion & Nachfrage
Laut dem aktuellen Quartalsbericht des europäischen Stahlverbandes EUROFER ist die EU-Rohstahlproduktion 2025 auf rund 125,8 Millionen Tonnen gefallen, nach 130 Millionen Tonnen im Vorjahr. Anhaltend schwache Nachfrage zwang die Branche zu Kapazitätsanpassungen und Werksrestrukturierungen. Der sichtbare Stahlverbrauch in der EU soll 2025 um 2,4 Prozent und 2026 um 1,3 Prozent zulegen – doch auch nach dem prognostizierten Erholungskurs bleibt der Verbrauch bis 2026 um rund 11 Millionen Tonnen unter dem Vorkrisenniveau.
Importdruck & Handelsbilanz
Der Importdruck auf den EU-Markt verschärft sich weiter. Stahlimporte einschließlich Halbzeug stiegen 2025 um 14 Prozent, Fertigprodukte um 9 Prozent. Im dritten Quartal 2025 erreichte der Importanteil am EU-Stahlverbrauch mit 29 Prozent einen Rekordwert. Das EU-Handelsdefizit weitete sich auf rund 2 Millionen Tonnen pro Monat aus, davon 1,2 Millionen Tonnen bei Fertigerzeugnissen.
Energie & Geopolitik
Der Ausbruch des Iran-Krieges hat die Energiemärkte zusätzlich destabilisiert. Der Referenzpreis TTF für Erdgas überstieg im März 2026 die Marke von 50 Euro pro Megawattstunde und erhöht damit den Kostendruck auf die europäische Industrie erheblich. Auch die stahlverarbeitenden Sektoren zeigen zwar erste Erholungszeichen – der Steel Weighted Industrial Production (SWIP)-Index legte im dritten Quartal 2025 um 1,8 Prozent zu –, die strukturellen Belastungen in Automobil- und Maschinenbau bleiben jedoch bestehen.
„Europas Stahlproduktion schrumpft, während der Importanteil am EU-Markt steigt. Die EU-Gesetzgeber müssen das neue Stahlhandelsschutzinstrument deshalb rasch verabschieden – ohne Verwässerung. Wenn die EU Stahlproduktion und grüne Investitionen in Europa halten will, braucht es wirksamen Handelsschutz und bezahlbaren Strom", so Axel Eggert, Generaldirektor EUROFER.
Quelle: EUROFER / Foto: marketSTEEL