Europäische Stahlhersteller kündigen Preisanstiege bei Langprodukten an
von Hubert Hunscheidt
Treiber dieser Entwicklung sind vor allem gestiegene Energie- und Transportkosten. Gleichzeitig profitieren die Produzenten von einem zunehmend geschützten europäischen Marktumfeld. Verschärfte Schutzmaßnahmen sowie der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) erhöhen den Kostendruck auf Importe und stärken die Position der inländischen Anbieter.
Marktumfeld stützt Preisdynamik
Obwohl in vielen europäischen Märkten noch größere Bestände importierter Ware vorhanden sind, erwarten Marktteilnehmer, dass sich das höhere Preisniveau durchsetzen wird. Neben steigenden Energiepreisen tragen auch die ab Juli geplanten Anpassungen der EU-Schutzmaßnahmen sowie zusätzliche CO₂-Kosten für Importeure zur Marktverengung bei.
Ein Vertreter eines Stahlwerks betonte, dass eine konsequentere Preisführung notwendig sei: In der aktuellen Situation sei es sinnvoller, Aufträge auf höherem Preisniveau zu verlieren, als dauerhaft unter Kostendruck zu verkaufen.
Käufer stellen sich auf steigende Preise ein
Auf Käuferseite wächst die Erwartung, dass die Preise weiter steigen werden. Bereits seit Beginn der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten Anfang März haben sich die Preise für Langprodukte spürbar erhöht. Marktteilnehmer rechnen damit, dass weitere Anpassungen bis Mitte Mai akzeptiert werden.
Unsicherheiten bestehen vor allem aufgrund vorhandener Importbestände. Gleichzeitig ist jedoch schwer vorhersehbar, welche Abmessungen kurzfristig knapp werden könnten, was zusätzlichen Preisdruck erzeugt.
Regionale Preisniveaus im Überblick
In Deutschland signalisieren Hersteller für Betonstahl Preise von rund 710 Euro je Tonne geliefert – etwa 50 Euro über den zuletzt gehandelten Niveaus.
In Italien lagen die jüngsten Transaktionen im Inland bei etwa 650 Euro je Tonne ab Werk, während neue Angebote bereits im Bereich von 670 bis 680 Euro je Tonne frei geliefert notiert wurden. Einzelne Produzenten kündigten an, ihre Preise in der kommenden Woche noch deutlicher anzuheben.
Druck entlang der Wertschöpfungskette
Weiterverarbeiter, insbesondere im Drahtbereich, sehen die Entwicklung mit Sorge. Für nachgelagerte Produkte greifen Schutzmechanismen wie CBAM oder Safeguards teilweise erst verzögert, was die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich belasten könnte. Gleichzeitig summieren sich die Preisanstiege bei Walzdraht seit März bereits auf bis zu 140 Euro je Tonne.
Fazit
Der europäische Markt für Langprodukte steht vor einer weiteren Preisrunde. Energiepreise, handelspolitische Maßnahmen und geopolitische Entwicklungen wirken gemeinsam in eine Richtung – mit der Folge, dass sich höhere Preisniveaus zunehmend durchsetzen dürften.
Quelle: ARGUS MEDIA GROUP / Foto: marketSTEEL