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Europäische Stahlhersteller fordern Reform des Emissionshandels: ETS braucht „Realitätscheck“

17. Juni 2026 von Hubert Hunscheidt

Die drei führenden europäischen Stahlhersteller ArcelorMittal Europe, thyssenkrupp Steel und voestalpine haben gemeinsam eine grundlegende Reform des EU-Emissionshandelssystems (ETS) gefordert. In einer gemeinsamen Initiative warnen die Unternehmen davor, dass die derzeitige Ausgestaltung des Systems die industrielle Basis Europas gefährden könnte, wenn keine Anpassungen vorgenommen werden.

Die drei Stahlhersteller repräsentieren nach eigenen Angaben rund 60 Prozent der integrierten Stahlproduktion in Europa. Sie bekennen sich ausdrücklich zu den Klimazielen der Europäischen Union und treiben umfangreiche Dekarbonisierungsprogramme voran. Gleichzeitig betonen sie, dass die politischen Rahmenbedingungen die Transformation unterstützen und nicht erschweren müssten.

Nach Ansicht der Unternehmen steigen die Belastungen durch das ETS deutlich schneller als die Voraussetzungen für eine wirtschaftlich tragfähige Dekarbonisierung geschaffen werden. Wettbewerbsfähige Strompreise, ausreichend verfügbarer grüner Wasserstoff, Carbon Contracts for Difference (CCfD), CO₂-Abscheidung und -Speicherung sowie funktionierende Märkte für CO₂-reduzierten Stahl seien bislang nicht in ausreichendem Umfang vorhanden.

Die Unternehmen verweisen darauf, dass das ETS im Energiesektor erhebliche Emissionsminderungen ermöglicht habe, für energieintensive Industrien wie die Stahlherstellung jedoch noch kein tragfähiger Transformationspfad erkennbar sei. Nach ihrer Einschätzung könnten die Produktionskosten für Stahl in der Europäischen Union bis Anfang der 2030er-Jahre um rund 50 Prozent steigen. Gleichzeitig würden Importeure vielfach nicht in gleichem Umfang mit CO₂-Kosten belastet, während europäische Exporteure keine Kompensation für die zusätzlichen Kosten erhielten.

Die Folgen könnten weit über die Stahlindustrie hinausreichen. Ohne Reformen sehen die Unternehmen das Risiko eines Rückgangs stahlintensiver Fertigungsindustrien in Europa um 30 bis 40 Prozent. Dadurch könnten entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette bis zu fünf Millionen Arbeitsplätze gefährdet werden.

Vor diesem Hintergrund fordern ArcelorMittal Europe, thyssenkrupp Steel und voestalpine eine vorübergehende Aussetzung des weiteren Anstiegs der ETS-Kosten. Das aktuelle Kostenniveau solle beibehalten werden, bis die wesentlichen Voraussetzungen für eine wirtschaftlich tragfähige Dekarbonisierung geschaffen seien. Zudem sprechen sich die Unternehmen für einen Förderrahmen aus, der Investitionen von Vorreitern der Transformation absichert und ETS-Einnahmen gezielt für die industrielle Dekarbonisierung einsetzt.

Darüber hinaus verlangen die Stahlhersteller einen ausgewogenen Ansatz bei der Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Der jüngst eingeführte CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM sowie die geplanten Schutzmaßnahmen für den europäischen Markt seien wichtige Schritte. Eine Reform des ETS sei jedoch das entscheidende fehlende Element, um Dekarbonisierung und industrielle Wettbewerbsfähigkeit gleichermaßen sicherzustellen.

Marie Jaroni, CEO von thyssenkrupp Steel, bezeichnete das ETS als reformbedürftig und forderte eine „Kostenpause“, um die industrielle Transformation abzusichern und Investitionen von Vorreitern nicht zu benachteiligen. Herbert Eibensteiner, CEO der voestalpine AG, verwies auf die hohen Investitionen des Unternehmens im Rahmen des greentec steel-Programms und warnte davor, dass der schrittweise Wegfall kostenloser Zertifikate finanzielle Mittel binde, die für die Transformation benötigt würden.

Auch Lakshmi Mittal, Executive Chairman von ArcelorMittal, sprach sich für eine grundlegende Überarbeitung des Systems aus. Europas Politik stehe nicht vor der Entscheidung zwischen Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit, sondern vor der Aufgabe, beides miteinander zu verbinden und damit die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit des Kontinents langfristig zu sichern.

Quelle: ArcelorMittal Germany GmbH / Foto: marketSTEEL



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