EUROFER warnt: Industrial Accelerator Act darf Europas Stahlindustrie nicht benachteiligen
von Hubert Hunscheidt
Die europäische Stahlindustrie hat die Europäische Union aufgefordert, den geplanten Industrial Accelerator Act (IAA) grundlegend nachzuschärfen. Nach Ansicht des europäischen Stahlverbands EUROFER droht das Gesetz in seiner aktuellen Form die Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlindustrie zu schwächen, statt sie zu stärken.
Der von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Industrial Accelerator Act soll die industrielle Transformation beschleunigen, europäische Wertschöpfungsketten stärken und den Anteil der Industrie am EU-BIP auf mindestens 20 Prozent erhöhen. Ein zentraler Bestandteil ist die Förderung von Leitmärkten für CO₂-armen Stahl – insbesondere in Bereichen wie Automobilindustrie, Bauwesen und Verteidigung.
EUROFER kritisiert jedoch, dass der Entwurf keine ausreichend starken Nachfrageimpulse für in Europa produzierten klimafreundlichen Stahl setzt. Verbandsgeschäftsführer Axel Eggert warnte, Europa dürfe nicht riskieren, ausländische Produktion zu fördern und gleichzeitig Investitionen, Arbeitsplätze und industrielle Kapazitäten innerhalb der EU zu schwächen.
Im Mittelpunkt der Kritik steht die fehlende klare Definition des Ursprungs von Stahlprodukten. Nach aktueller Ausgestaltung könnten Produkte als „Made in EU“ gelten, obwohl der Stahl außerhalb Europas erzeugt und lediglich innerhalb der EU weiterverarbeitet wurde. Da mehr als 75 Prozent der Stahlimporte aus Ländern mit Freihandelsabkommen stammen, könnten laut EUROFER Produkte aus nahezu 80 Staaten von europäischen Fördermechanismen profitieren, ohne vergleichbaren CO₂-Kosten zu unterliegen.
Die Stahlindustrie fordert deshalb eine eindeutige „Melted and Poured“-Regelung. Demnach sollen nur Stahlprodukte als europäisch gelten, deren Stahl tatsächlich in der EU erschmolzen und gegossen wurde. Dies sei entscheidend, um öffentliche Ausschreibungen und Förderprogramme gezielt auf europäische Produktion auszurichten.
Darüber hinaus fordert EUROFER verbindlichere Mindestquoten für CO₂-armen Stahl in öffentlichen Beschaffungsprogrammen sowie eine Ausweitung auf strategische Bereiche wie Windkraftanlagen und Elektrobandstahl.
Nach Einschätzung des Verbands droht der Industrial Accelerator Act andernfalls genau das Gegenteil seines eigentlichen Ziels zu erreichen: Emissionen, Investitionen und industrielle Wertschöpfung könnten zunehmend ins außereuropäische Ausland verlagert werden – mit negativen Folgen für Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und strategische Autonomie Europas.
Quelle: EUROFER / Foto: marketSTEEL