EUROFER fordert neue Ära der europäischen Industriepolitik
von Hubert Hunscheidt
75 Jahre nach der Unterzeichnung des Pariser Vertrags und 50 Jahre nach Gründung des europäischen Stahlverbands EUROFER fordert die Stahlindustrie eine neue Phase der industriepolitischen Zusammenarbeit in Europa. Vertreter der Stahlindustrie, der europäischen Politik und industrieller Wertschöpfungsketten kamen dazu in Brüssel zusammen. Gast der Jubiläumsveranstaltung war EU-Kommissionsvizepräsidentin Teresa Ribera.
Der am 18. April 1951 von sechs europäischen Staaten unterzeichnete Pariser Vertrag begründete die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Kohle und Stahl standen damit am Anfang der europäischen Integration und sollten durch wirtschaftliche Zusammenarbeit Frieden und gemeinsamen Wohlstand sichern.
EUROFER-Präsident Henrik Adam zog eine Parallele zur heutigen Situation. Vor 75 Jahren habe Europa erkannt, dass Industrie, Wohlstand und Frieden miteinander verbunden seien. Heute gelte dies ebenso für Wettbewerbsfähigkeit, Klimaschutz, Sicherheit und sozialen Zusammenhalt.
Die EU habe sich politisch dafür entschieden, eine starke industrielle Basis zu erhalten und weiterhin Stahl in Europa zu produzieren. Diese Entscheidung müsse nun in konkrete Ergebnisse umgesetzt werden, so Adam.
Energiepreise bleiben Schlüsselfaktor
EUROFER begrüßt die bisherigen industriepolitischen Schritte der Europäischen Union, darunter den Steel and Metals Action Plan. Nach Ansicht des Verbandes reicht dies jedoch nicht aus, um die notwendige industrielle Transformation tatsächlich voranzubringen.
Gefordert wird ein wettbewerbsfähiges „Made in Europe“-Industrieökosystem entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Eine zentrale Voraussetzung dafür seien deutlich niedrigere Energiekosten. Wettbewerbsfähige und bezahlbare Energie sei entscheidend, damit die europäische Industrie ihre Produktion dekarbonisieren und gleichzeitig weiterhin in Europa investieren könne.
EU-Kommissionsvizepräsidentin Teresa Ribera betonte ebenfalls die Verbindung zwischen industrieller Stärke und nachhaltiger Transformation. Europa wolle Unternehmen die Voraussetzungen bieten, hier zu investieren, Innovationen voranzutreiben und Arbeitsplätze zu schaffen. Politik und Industrie trügen dabei jeweils Verantwortung für das Gelingen der Transformation.
Für EUROFER steht zugleich die internationale Wettbewerbsfähigkeit im Mittelpunkt. Andere große Wirtschaftsräume stärkten ihre industrielle Basis gezielt. Europa könne es sich deshalb nicht leisten, zurückzufallen. „Wenn Europa eine globale Kraft bleiben will, braucht es die industrielle Stärke, dies auch zu sein“, erklärte Adam.
Quelle: EUROFER / Foto: marketSTEEL