EUROFER: Europäischer Stahlmarkt bleibt 2026 unter erheblichem Druck
von Hubert Hunscheidt
Der europäische Stahlmarkt wird nach Einschätzung der European Steel Association (EUROFER) auch 2026 nur eine schwache Erholung erleben. Zwar stieg der scheinbare Stahlverbrauch im Jahr 2025 um 4,4 Prozent, doch dieser Anstieg sei vor allem auf Sondereffekte zurückzuführen und lasse keine nachhaltige Markterholung erkennen. Für 2026 erwartet EUROFER lediglich ein Nachfragewachstum von 0,4 Prozent. Damit liegt der Stahlverbrauch weiterhin rund zehn Millionen Tonnen unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie.
„Bescheidene Verbesserungen der Nachfrage dürfen nicht mit einer echten Erholung verwechselt werden. Die Fertigung bleibt schwach, die Energiekosten bleiben hoch, und Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem globalen Handel und geopolitischen Spannungen belasten weiterhin Investitionen und Industrieaktivität“, sagte EUROFER-Generaldirektor Axel Eggert.
Auch die stahlverarbeitenden Industrien zeigen weiterhin ein verhaltenes Bild. Nachdem die Nachfrage 2025 erneut leicht um 0,1 Prozent zurückging, prognostiziert EUROFER für 2026 lediglich ein Wachstum von 1,3 Prozent. Eine spürbare Erholung wird frühestens für 2027 erwartet.
Besonders die Automobilindustrie bleibt ein Belastungsfaktor. Nach rückläufigen Produktionszahlen in den vergangenen beiden Jahren dürfte der Sektor auch 2026 unter einer schwachen Konsumnachfrage, einer langsameren Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen und anhaltender Unsicherheit der Hersteller leiden. Stabilisierend wirkt dagegen weiterhin das Bauwesen als größter Stahlverbraucher Europas, dessen Wachstum jedoch durch hohe Finanzierungskosten und das schwache wirtschaftliche Umfeld gebremst wird.
Zusätzlichen Druck erzeugen nach Einschätzung von EUROFER steigende Energiepreise, geopolitische Spannungen sowie die anhaltend hohe globale Stahlüberkapazität. Trotz zuletzt rückläufiger Importe bleibe der internationale Wettbewerbsdruck hoch. Ohne eine stärkere Industriekonjunktur, sinkende Energiekosten und eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit werde sich der europäische Stahlmarkt daher auch in den kommenden Jahren nur langsam erholen.
Quelle: EUROFER AISBL / Foto: marketSTEEL