EUROFER drängt auf Ausweitung des CBAM auf stahlintensive Produkte

von Hubert Hunscheidt

Vor der Abstimmung des Europäischen Parlaments über Änderungen am CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM fordert der europäische Stahlverband EUROFER eine stärkere Einbeziehung stahlintensiver Produkte. Nach Ansicht des Verbandes bestehen weiterhin Möglichkeiten, die CO₂-Kosten bei Importen in die EU zu umgehen. Dies könne die Nachfrage nach europäischem Stahl schwächen und Investitionen in emissionsärmere Produktionsverfahren gefährden.

Der CBAM befindet sich seit Januar 2026 in seiner endgültigen Phase. Er soll dafür sorgen, dass für importierten Stahl vergleichbare CO₂-Kosten anfallen wie für die Produktion innerhalb der Europäischen Union. Nach Einschätzung von EUROFER greift der Mechanismus bislang jedoch zu kurz, weil zahlreiche weiterverarbeitete Produkte aus Stahl nicht erfasst werden.

Verlagerung in die Weiterverarbeitung befürchtet

Das Problem aus Sicht der europäischen Stahlindustrie: Wird Stahl außerhalb der EU zu einem Fertigprodukt oder stärker verarbeiteten Erzeugnis weiterverarbeitet und erst anschließend nach Europa exportiert, können die mit der Stahlproduktion verbundenen CBAM-Kosten teilweise umgangen werden.

EUROFER unterstützt deshalb einen Änderungsvorschlag des Industrieausschusses des Europäischen Parlaments (ITRE), mit dem der CBAM auf weitere stahlintensive Produkte ausgeweitet werden soll.

„Europas Stahlhersteller investieren Milliarden in eine sauberere Stahlproduktion, können diesen Übergang aber ohne gleiche Wettbewerbsbedingungen nicht bewältigen“, erklärt EUROFER-Generaldirektor Axel Eggert. Die Rahmenbedingungen müssten so gestaltet werden, dass sich Investitionen in CO₂-armen Stahl in Europa wirtschaftlich rechnen.

Für die Branche ist die Frage auch mit Blick auf die laufende Transformation der europäischen Stahlwerke von Bedeutung. Steigende CO₂-Kosten treffen auf milliardenschwere Investitionen in neue Produktionsverfahren. Werden gleichzeitig zunehmend Fertigprodukte aus Drittstaaten importiert, deren Stahlanteil nicht entsprechend vom CBAM erfasst wird, könnte sich die Wertschöpfung nach Auffassung von EUROFER aus Europa verlagern.

Auch Edelstahl im Blick

Neben der Erweiterung auf stahlintensive Produkte unterstützt EUROFER zwei weitere Änderungsvorschläge aus dem ITRE-Ausschuss. Einer betrifft die Berechnung der Emissionen von importiertem Edelstahl. Die bei der Herstellung von Ferronickel und Nickel-Roheisen entstehenden Emissionen sollen nach Auffassung des Verbandes vollständig berücksichtigt werden. EUROFER verweist dabei auf die vergleichsweise hohe Schrottbasis der europäischen Edelstahlproduktion.

Ein weiterer Vorschlag soll verhindern, dass Stahl ohne entsprechende CBAM-Kosten in die EU eingeführt, hier weiterverarbeitet und anschließend wieder exportiert werden kann.

Mit den Änderungen soll der Grenzausgleich aus Sicht von EUROFER nicht nur die CO₂-Kosten von Stahlimporten angleichen. Er soll zugleich verhindern, dass sich Importe von Stahl auf daraus hergestellte Produkte verlagern und damit europäische Stahlproduktion und Weiterverarbeitung unter zusätzlichen Wettbewerbsdruck geraten.

Quelle: EUROFER / Foto: Fotolia