Autor: von Ulrich Schüppler

26.05.2015

EU weitet Maßnahmen gegen Stahlimporte aus

Die weltweiten Überkapazitäten im Stahlsektor und der damit einhergehende Preisverfall werden auch für europäische Hersteller zunehmend zum Problem. Darauf hat die EU-Kommission reagiert und ihre Handelspolitik verschärft. Mitte Mai wurde ein Einfuhrzoll auf kornorientierte Elektrobleche (GOES) beschlossen, der Russland, die USA, China, Japan und Korea betrifft. Der Zoll schwankt dabei zwischen 21,6 % (Russland) und 35,9 % (Japan).

Im Mai hat die Kommission zudem ein Anti-Dumping-Verfahren gegen kaltgewalzte Stähle aus Russland und China eingeleitet. Grundlage des Verfahrens ist eine Beschwerde des europäischen Stahlverbandes Eurofer, dessen Mitgliedsunternehmen rund 25 % aller in der EU gefertigten kaltgewalzten Stahlprodukte repräsentieren. Betroffene Unternehmen sind aufgerufen, relevante Informationen an die Kommission weiterzuleiten. Das Verfahren muss nach den Regularien der EU in spätestens 15 Monaten, also Mitte August 2016, abgeschlossen sein. Provisorische Maßnahmen könnten nach neun Monaten beschlossen werden, das wäre im Februar 2016.

China leidet derzeit unter einer internen Nachfrageschwäche und massiven Überkapazitäten, die Exporte des Landes sind daher 2014 um 50 Prozent auf über 93 Millionen Tonnen gestiegen. Im Januar 2015 stiegen die Exporte im Jahresvergleich gar um 63 Prozent. Die Stahlverwendung in China legte dagegen 2014 nur um 1 % zu. Russland wiederum profitiert derzeit von der Rubelschwäche und kann seinen Stahl daher deutlich günstiger auf dem Weltmarkt anbieten.

Stahlanalysten rechnen damit, dass sich der Stahlhandel im Zuge der weltweiten Überkapazitäten und einer restriktiveren Handelspolitik mehr und mehr regionalisieren wird. Zudem dürften sich die Preisunterschiede zwischen europäischem und chinesischem Stahl weiter vergrößern. Da Exporteure wie China ihre Stahlprodukte im Zuge von Handelssanktionen in andere Märkte umleiten, fühlen sich auch kleinere Herstellerländer wie Australien zunehmend bedroht. Langfristig werden Handelsbeschränkungen allein keine Erleichterung bringen, da sie die Stahlexporte nur verschieben. Eine weitere Kürzung von Kapazitäten erscheint daher vielen Marktexperten unvermeidlich.

Quellen: Official Journal of the EU; marketSTEEL     Foto: Schmuttel  / pixelio.de