EU verschärft Stahl-Schutzmaßnahmen: Weniger Importquoten, höhere Zölle ab 2026

von Hubert Hunscheidt

Die Europäische Union hat eine umfassende Überarbeitung ihrer bestehenden Schutzmaßnahmen für Stahlimporte beschlossen und reagiert damit auf anhaltende globale Überkapazitäten und steigenden Importdruck. Die aktuellen Maßnahmen, die seit 2019 gelten, werden bis Ende Juni 2026 verlängert und anschließend durch ein verschärftes System ersetzt.

Kern der Neuregelung ist ein deutlich restriktiveres Zollkontingentsystem: Die zollfreien Importmengen werden auf rund 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr begrenzt, während für darüberhinausgehende Einfuhren künftig ein Strafzoll von 50 Prozent erhoben wird.

Zusätzlich führt die EU strengere Transparenzanforderungen ein. Importeure müssen künftig verpflichtend nachweisen, in welchem Land der Stahl geschmolzen und gegossen wurde („melt and pour“). Dieses Kriterium soll auch bei der Zuteilung der Kontingente berücksichtigt werden, um Umgehungstatbestände zu reduzieren.

Bereits zuvor hatte die EU das bestehende System angepasst, etwa durch strengere Regeln bei der Nutzung von Restkontingenten und durch Änderungen bei einzelnen Produktkategorien. Auch künftig bleibt die grundsätzliche Struktur der Kontingentverwaltung erhalten, wird jedoch durch zusätzliche Einschränkungen und Kontrollmechanismen ergänzt.

Die neuen Maßnahmen sind Teil eines umfassenderen industriepolitischen Rahmens, mit dem die EU ihre Stahlindustrie vor globalen Überkapazitäten schützen und gleichzeitig die Stabilität der Lieferketten sicherstellen will.

Für Stahlhandel und verarbeitende Industrie bedeutet dies steigende Importkosten, höhere Komplexität in der Beschaffung sowie eine stärkere Bedeutung von Herkunfts- und Emissionsdaten im internationalen Handel.