EU-Stahlimportquoten für das dritte Quartal bereits nach wenigen Tagen ausgeschöpft

von Hubert Hunscheidt

Mehrere Importkontingente der Europäischen Kommission im Rahmen der EU-Schutzmaßnahmen für Stahl sind bereits wenige Tage nach Beginn des dritten Quartals (Juli bis September) ausgeschöpft. Besonders betroffen ist der Bereich Warmbreitband: Die "Sonstige Länder"-Quote – unter der auch Taiwan geführt wird – wurde mit über 112.707 Tonnen um 13 % überschritten. Südkorea hat bereits 83 % seines individuellen Kontingents von 163.078 Tonnen ausgeschöpft.

Keine Importmengen wurden hingegen bislang Ägypten, Vietnam und Japan zugewiesen. Diese Länder unterliegen weiterhin vorläufigen Antidumpingzöllen, was viele Importeure dazu veranlasst, auf alternative Herkunftsländer wie Indonesien oder Saudi-Arabien auszuweichen, die derzeit nicht von den Schutzmaßnahmen betroffen sind.

In der aktuellen Südeuropa-Ausgabe des Podcasts Market in Minutes von MEPS erläuterte Analystin Benedicte Mikolajczak, dass trotz verschärfter Schutzmaßnahmen ein starker Importdruck bestehe, der auf die europäischen Stahlpreise wirke. Die neuen Anpassungen der EU-Schutzmaßnahmen begrenzen Importe nun zusätzlich innerhalb der „Sonstige Länder“-Kontingente – nicht mehr nur für Warmband, sondern nun auch für Kaltband und verzinkte Produkte.

Mikolajczak betonte: „Trotz dieser Maßnahmen sehen wir, dass Quoten weiterhin sehr schnell ausgeschöpft werden – bei Warmband, verzinkten und möglicherweise auch kaltgewalzten Produkten.“

Weitere Entwicklungen

Auch das Kaltband-Kontingent der Türkei (43.990 Tonnen) ist bereits überzogen. Taiwan und Japan haben 35 % bzw. 42 % ihrer jeweiligen Kontingente verbraucht. Für beschichtete Coils im 4A-Bereich – wichtig für Bauanwendungen – hat Vietnam das Limit von 119.429 Tonnen bereits überschritten. Taiwan und die Türkei bewegen sich ebenfalls an der Obergrenze.

In der 4B-Kategorie, die vor allem in der europäischen Automobilindustrie Verwendung findet, hat China sein individuelles Kontingent bereits vollständig ausgeschöpft. Die Türkei und Vietnam haben zudem die 20 %-Obergrenze für die „Sonstige Länder“-Quote übertroffen.

Bei Langprodukten hat die Türkei ihre Kontingente für Betonstahl und Walzdraht bereits verbraucht. Auch Algerien hat das „Sonstige Länder“-Limit für Walzdraht überschritten und liegt bei 96 % für Betonstahl. Ägypten liegt bei 89 % (Betonstahl) bzw. 73 % (Walzdraht). Malaysias Drahtquote ist ebenfalls überzogen – Importeure wenden sich daher vermehrt an Anbieter aus Indonesien oder Tunesien.

Laut Mikolajczak würden Importe oberhalb der Quoten mit Schutzabgaben belegt – es sei denn, die Ware verbleibt in den Häfen. Viele Importeure versuchen jedoch, ihre Bestände noch vor dem 1. Januar 2026 in Verkehr zu bringen, wenn die CO₂-Grenzabgabe (CBAM) greift. Die anhaltende Importwelle übe in Kombination mit der schwachen Nachfrage erheblichen Druck auf die Stahlpreise aus.

Die Analyse basiert auf aktuellen Daten der MEPS European Steel Review. Bereits im Vormonat wurde dort ein erneuter Rückgang der Stahlpreise in Europa festgestellt – zum zweiten Mal in Folge.

Quelle: MEPS International Ltd. / Foto: marketSTEEL