Die Stahlexporte der Europäischen Union in die USA sind im zweiten Halbjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent zurückgegangen. Hintergrund sind 50-prozentige US-Zölle auf europäische Stahlprodukte, wie aktuelle Daten von Eurostat zeigen. Zusätzlich wurde das US-Zollregime auf stahlintensive Weiterverarbeitungsprodukte wie Maschinen und Anlagen ausgeweitet, was die Belastungen für Hersteller und deren Kunden weiter verschärfen dürfte.
Der Branchenverband EUROFER sieht darin ein deutliches Signal für die negativen Auswirkungen der aktuellen Handelspolitik. Die jüngsten Zahlen erhöhen aus Sicht des Verbands den Druck auf die laufenden Verhandlungen über ein EU-US-Handelsabkommen. Dieses müsse fair, ausgewogen und durchsetzbar ausgestaltet sein, um stabile und berechenbare Marktbedingungen auf beiden Seiten des Atlantiks zu gewährleisten.
Zudem verweist die Branche auf die zunehmende Gefahr von Handelsumlenkungen über stahlintensive Endprodukte. Laut Daten der World Steel Association stiegen indirekte Stahleinfuhren in die EU – also in Fertigwaren eingebetteter Stahl – zwischen 2014 und 2024 deutlich an. Gleichzeitig haben insbesondere chinesische Exporte sowohl bei direktem als auch bei indirektem Stahl neue Höchststände erreicht.
Vor dem Hintergrund auslaufender EU-Schutzmaßnahmen im Juni fordert die Industrie eine zügige Einführung neuer handelspolitischer Instrumente ab dem 1. Juli. Ziel ist es, sowohl die europäische Stahlproduktion als auch stahlintensive Wertschöpfungsketten vor globaler Überkapazität und Handelsverlagerungen zu schützen.