EU-Nutzfahrzeugmarkt: Lkw und Busse legen deutlich zu
von Hubert Hunscheidt
Der europäische Nutzfahrzeugmarkt hat sich in den ersten neun Monaten 2026 unterschiedlich entwickelt. Während die Neuzulassungen von Transportern nahezu auf Vorjahresniveau blieben, verzeichneten Lkw und Busse deutliche Zuwächse. Nach Angaben des europäischen Automobilherstellerverbandes ACEA wurden von Januar bis September insgesamt 245.079 neue Lkw in der EU zugelassen. Das entspricht einem Plus von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Besonders gefragt waren schwere Lkw, deren Zulassungen um 8,5 Prozent zunahmen. Bei mittelschweren Fahrzeugen lag der Zuwachs bei 2,5 Prozent. Unter den größeren europäischen Märkten entwickelten sich Polen mit einem Plus von 20,5 Prozent und Spanien mit 13,2 Prozent besonders positiv. Deutschland verzeichnete einen Anstieg um 2,5 Prozent, während die Zulassungen in Frankreich um 1,6 Prozent zurückgingen.
Deutlich stärker wuchs der europäische Busmarkt. Mit 32.695 Neuzulassungen lag er 15,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Italien meldete einen Zuwachs von 34,4 Prozent, Frankreich von 10,5 Prozent und Deutschland von 10,1 Prozent. In Polen stiegen die Buszulassungen sogar um 68,6 Prozent.
Bei leichten Nutzfahrzeugen blieb der Markt dagegen weitgehend unverändert. Insgesamt wurden 1.073.427 neue Transporter zugelassen. Während Spanien ein Plus von 6,9 Prozent erreichte, gingen die Zulassungen in Deutschland um 4,1 Prozent, in Italien um 5,1 Prozent und in Frankreich um 5,6 Prozent zurück.
Elektrische Antriebe gewinnen Marktanteile
Auch bei Nutzfahrzeugen setzt sich die Elektrifizierung fort, allerdings mit erheblichen Unterschieden zwischen den Fahrzeugklassen.
Bei Transportern stiegen die Neuzulassungen elektrisch aufladbarer Fahrzeuge um 38,2 Prozent. Ihr Marktanteil erhöhte sich von 10,2 auf 14,1 Prozent. Dieselantriebe blieben mit einem Anteil von 78,1 Prozent weiterhin dominierend.
Noch deutlicher fiel das Wachstum bei elektrisch aufladbaren Lkw aus. Ihre Zulassungen nahmen um 49,8 Prozent zu, der Marktanteil erreichte 5,3 Prozent. Deutschland verzeichnete in diesem Segment einen Zuwachs von 77,2 Prozent, Frankreich von 60,2 Prozent und die Niederlande von 57,5 Prozent. Zusammen entfielen auf diese drei Länder 74 Prozent aller neu zugelassenen elektrisch aufladbaren Lkw in der EU. Dennoch blieb der Diesel mit einem Marktanteil von 91,7 Prozent die mit Abstand wichtigste Antriebsart.
Bei Bussen stiegen die Neuzulassungen elektrisch aufladbarer Fahrzeuge um 37,6 Prozent. Ihr Marktanteil erhöhte sich von 22,1 auf 26,4 Prozent. Dieselbusse kamen weiterhin auf 58,4 Prozent.
Der ACEA bewertet die Marktentwicklung insgesamt als gemischt. Der Zuwachs bei Lkw sei auch auf die Erholung von einem niedrigen Ausgangsniveau zurückzuführen. Gleichzeitig gewännen elektrische Antriebe zwar Marktanteile, ihre Verbreitung bleibe jedoch hinter dem erforderlichen Tempo zurück.
Für die Stahlindustrie und ihre Zulieferer sind die Entwicklungen im Nutzfahrzeugbau von Bedeutung, da Lkw, Transporter und Busse wichtige Abnehmer von Flachstahl, hochfesten Stählen und weiteren metallischen Werkstoffen sind.
Quelle: ACEA / Foto: marketSTEEL