EU-Automarkt wächst um 5,7 Prozent – Elektroautos legen kräftig zu
von Hubert Hunscheidt
Der europäische Automobilmarkt zeigt sich trotz hoher Energiepreise und geopolitischer Unsicherheiten vergleichsweise robust. Nach aktuellen Zahlen des europäischen Automobilherstellerverbands ACEA stiegen die Pkw-Neuzulassungen in der EU von Januar bis September 2026 um 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders stark entwickelte sich die Nachfrage nach batterieelektrischen Fahrzeugen, deren Marktanteil innerhalb eines Jahres von 16,1 auf 22,7 Prozent zunahm.
In den ersten neun Monaten wurden EU-weit 1.931.465 batterieelektrische Pkw neu zugelassen. Damit sind reine Elektroautos inzwischen die zweitwichtigste Antriebsart hinter Hybridfahrzeugen. Besonders deutlich legten die Zulassungen in Frankreich (+79,1 Prozent), Deutschland (+58,1 Prozent) und Dänemark (+40,3 Prozent) zu. Auch Belgien verzeichnete mit 15,7 Prozent ein zweistelliges Wachstum.
Hybridfahrzeuge bleiben Marktführer
Mit 3.090.530 Neuzulassungen und einem Marktanteil von 36,3 Prozent behaupteten Hybridfahrzeuge ohne externe Lademöglichkeit ihre führende Position auf dem EU-Automarkt. Wachstumstreiber waren insbesondere Italien (+20,8 Prozent) und Spanien (+20,5 Prozent). In Deutschland stiegen die Zulassungen um 4,9 Prozent, in Frankreich um 0,6 Prozent.
Auch Plug-in-Hybride gewannen weiter an Bedeutung. Von Januar bis September wurden 860.257 Fahrzeuge dieser Antriebsart neu zugelassen. Ihr Marktanteil erhöhte sich von 9,0 auf 10,1 Prozent. Besonders kräftig fiel das Wachstum in Italien (+72,4 Prozent), Spanien (+34,7 Prozent) und Deutschland (+13,7 Prozent) aus.
Benziner und Diesel verlieren weiter Marktanteile
Der Rückgang bei Fahrzeugen mit klassischen Verbrennungsmotoren setzte sich dagegen fort. Die Neuzulassungen von Benzinern sanken in den ersten neun Monaten um 19,1 Prozent. Ihr Marktanteil fiel von 27,7 auf 21,2 Prozent. Besonders ausgeprägt war der Rückgang in Frankreich mit 36,1 Prozent, gefolgt von Deutschland mit 22,7 Prozent.
Auch Dieselfahrzeuge verloren weiter an Bedeutung. Ihre Neuzulassungen gingen um 19,5 Prozent zurück, der Marktanteil verringerte sich von 9,3 auf 7,1 Prozent. Zusammen erreichten Benziner und Diesel nur noch 28,2 Prozent des EU-Marktes, gegenüber 36,9 Prozent im Vorjahreszeitraum.
Strukturwandel betrifft auch die Stahlindustrie
Für die europäische Stahlindustrie ist die Entwicklung von besonderer Bedeutung. Der Automobilbau zählt zu den wichtigsten Abnehmern hochwertiger Flachstahlprodukte. Mit dem wachsenden Anteil elektrifizierter Fahrzeuge verändern sich auch die Anforderungen an die eingesetzten Werkstoffe, insbesondere bei Batteriegehäusen, Karosseriestrukturen und crashrelevanten Bauteilen.
Der steigende Absatz von Elektro- und Hybridfahrzeugen eröffnet damit neue Anwendungsfelder für hochfeste und speziell entwickelte Stahlsorten. Allerdings lassen steigende Neuzulassungen allein noch keine Rückschlüsse auf die Entwicklung der europäischen Stahlproduktion zu. Entscheidend ist auch, wo die Fahrzeuge und ihre Komponenten hergestellt werden.
Quelle: ACEA / Foto: Fotolia