Erholung des Containerumschlags im Juli unterbrochen
von Hubert Hunscheidt
Trotz der anhaltenden Spannungen am Persischen Golf und der Behinderungen in der Straße von Hormus erweist sich der internationale Handel damit als bemerkenswert widerstandsfähig.
Der von dem RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und dem Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) berechnete Containerumschlag-Index ist im Juli leicht von 142,7 (revidiert) auf 142,5 Indexpunkte gesunken. Damit ist die Erholung des Containerumschlags aus den beiden Vormonaten zunächst zum Stillstand gekommen. Angesichts des erneut aufgeflammten Konflikts am Persischen Golf und der weiterhin stark behinderten Schifffahrt durch die Straße von Hormus ist der Rückgang jedoch vergleichsweise gering. Ein Grund dafür dürfte laut RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt das bereits vor Beginn des Iran-Kriegs bestehende Überangebot auf dem Ölmarkt sein. Dieser Puffer sorgt dafür, dass die aktuelle Angebotsverknappung bislang nur in deutlich geringerem Maß auf die nachgelagerte Produktion durchschlägt, als es angesichts der Lage am Golf zu erwarten wäre.
Die recht stabile Entwicklung beim Containerumschlag darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Iran-Konflikt den Welthandel belastet. Die Containerpreise liegen weiterhin auf hohem Niveau, wenngleich sie seit Juli kaum noch gestiegen sind. Offensichtlich haben sich die betroffenen Unternehmen weitgehend auf die anhaltenden Störungen eingestellt und ihre Lieferketten angepasst.
Deutliche Unterschiede zwischen den Hafenregionen
Hinter der insgesamt stabilen Entwicklung verbergen sich deutliche regionale Unterschiede. Der Nordrange-Index, der als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung im nördlichen Euroraum gilt, ging von 119,7 Punkten (revidiert) auf 119,4 Punkte leicht zurück. Deutlich stärker fiel der Rückgang in den chinesischen Häfen aus. Dort ging der Index von 159,0 Punkten (revidiert) auf 157,3 Punkte zurück. Demgegenüber nahm der Containerumschlag in den asiatischen Häfen außerhalb Chinas sowie in den amerikanischen Häfen deutlich zu. Die Entwicklung zeigt somit ein uneinheitliches Bild: Während einzelne wichtige Hafenregionen Rückgänge verzeichnen, wird der weltweite Containerverkehr durch Zuwächse in anderen Regionen gestützt.
Welthandel bleibt robust – geopolitische Risiken nehmen zu
Zur Entwicklung des Containerumschlag-Index sagt RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt: „Wie erwartet haben die Spannungen am Persischen Golf die Erholung des Welthandels zunächst beendet. Dass der Containerumschlag dennoch nur leicht zurückgeht, zeigt, wie robust der Welthandel derzeit ist. Die zunehmenden geopolitischen Spannungen bleiben allerdings ein erhebliches Risiko für den Welthandel.“
Quelle: RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung / Foto: Fotolia