Edelstahlwerke Schmees steigern Materialeffizienz

von Alexander Kirschbaum

Kooperation mit Effizienz-Agentur NRW

Einen wichtigen Schritt in Richtung Industrie 4.0 machten die Edelstahlwerke Schmees aus Langenfeld: Mit Unterstützung der Ressourceneffizienzberatung der Effizienz-Agentur NRW kann das Unternehmen heute seine Produktionskosten verursachergerecht zuordnen. Die gewonnene Prozesstransparenz ermöglichte es Schmees, seinen Materialverbrauch um ca. 130 Tonnen pro Jahr zu senken.

Die Edelstahlwerke Schmees produzieren am NRW-Standort Langenfeld und im sächsischen Pirna hochwertige Stahlgussteile u. a. für die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie sowie den Energiemaschinenbau. Pro Jahr werden ca. 2.200 t Stahl zu Gussteilen verarbeitet. "Die hohe Anzahl der Produktvarianten stellt uns immer wieder vor große organisatorische Herausforderungen", so Andreas Höller, Geschäftsführer des Schmees Werkes Langenfeld.

Ressourcenkostenrechnung ist der Schlüssel

Bis Anfang 2016 steuerten die einzelnen Produktionsbereiche die Aufträge in Eigenregie durch die Fertigung. Eine erste Analyse ergab, dass es dadurch immer wieder zu Redundanzen u. a. in der Lagerhaltung kam. "Um die Fertigung und die Lagerhaltung transparenter und effizienter zu gestalten, nutzten wir im Rahmen einer Ressourceneffizienzberatung die Ressourcenkostenrechnung RKR der Effizienz-Agentur NRW", sagt Höller. Sie bildete die Datengrundlage für ein neu aufgesetztes ERP-System.

"Die RKR ist ein Instrument zur ganzheitlichen Erfassung und Verbesserung von Material- und Energieproduktivität. Sie erfolgt nicht isoliert, sondern bezieht Kostenfaktoren wie Stundensätze, Maschinentaktung, Standzeiten, Ausschuss, Durchlaufzeiten, Personaleinsatz und Termintreue mit ein. Dadurch ist eine umfassende, verursachergerechte Kostenzuordnung möglich", erläutert Ressourceneffizienz-Berater Matthias Graf von der Effizienz-Agentur NRW.

Mithilfe der RKR erfasste Schmees 2015 seine Kostenstrukturen in der Produktion. Auf Basis der ermittelten Daten konnte ein verursachergerechtes Kostenrechnungsschema entwickelt werden. Dieses ermöglicht eine Bewertung einzelner Aufträge nach genauen Ressourcenverbräuchen.

"Durch die Integration der RKR in ein neues ERP-System ist das Unternehmen heute in der Lage, spezifische Auftragsgruppen wie z. B. Ringe und Gehäuse systematisch hinsichtlich ihrer Materialverbräuche zu analysieren, zu vergleichen und so über Zeitreihen die größten Materialeffizienzpotenziale je nach Produkt zu bestimmen. Dadurch lassen sich Materialverschwender frühzeitig identifizieren", so Graf.

Zentrale Planung und Steuerung

Diese Auswertung bildet heute die Grundlage für die zentrale Planung und Steuerung des Materialflusses. Mithilfe der hierdurch gewonnenen neuen Abstimmungsmöglichkeiten wurde die Effektivität des Fertigungsablaufs so verbessert, dass die Termintreue der Auftragsabwicklung deutlich erhöht und die Nacharbeiten stark reduziert werden konnten. Der gesamte Auftragsdurchlauf wird heute durch die Betriebsdatenerfassung zentral gesteuert. Schmees richtete ferner einen kontinuierlichen Verbesserungsprozesses ein, so dass der Auftragsdurchlauf fortlaufend weiter verbessert wird.

Der Rohgusseinsatz und die Ausschussmengen in der Produktion konnten durch diese Maßnahmen nachhaltig gesenkt werden. "Das um die RKR erweiterte ERP-System ist ein für uns wichtiger Schritt zur weiteren digitalen Vernetzung unserer Prozesse", sagt Werksleiter Höller. Schmees investierte ca. 10.000 Euro in die Entwicklung und Umsetzung der ERP-Lösung und senkte dadurch seine Materialkosten um rund 400.000 Euro im Jahr.

Quelle: Effizienz-Agentur NRW  Artikelfoto: Pro Jahr verarbeiten die Edelstahlwerke Schmees ca. 2.200 t Stahl zu Gussteilen. (Foto: Edelstahlwerke Schmees GmbH)

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