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Deutschlands Industrie schrumpft – europäische Nachbarn ziehen davon

21. Okt. 2026 von Hubert Hunscheidt

Der Industriestandort Deutschland verliert im europäischen Vergleich zunehmend an Boden. Während die deutsche Industrieproduktion zwischen 2015 und 2025 preisbereinigt um knapp elf Prozent zurückging, haben zahlreiche europäische Nachbarländer ihre Produktion deutlich gesteigert. Das zeigt eine Auswertung von Eurostat-Daten durch die Berliner Zeitung. Besonders auffällig ist die Entwicklung in Polen und Dänemark, deren Industrieproduktion im selben Zeitraum um 54 beziehungsweise 48 Prozent zulegte.

Auch die Schweiz (+36 Prozent), Belgien (+24 Prozent), Österreich (+23 Prozent) und Tschechien (+13 Prozent) verzeichneten deutliche Zuwächse. Die Niederlande steigerten ihre Industrieproduktion um knapp fünf Prozent, während Frankreich sein Produktionsniveau weitgehend halten konnte. Lediglich Luxemburg schnitt unter Deutschlands unmittelbaren Nachbarn mit einem Rückgang von rund 13 Prozent noch schlechter ab.

Industrieller Abstieg begann bereits vor der Energiekrise

Die Entwicklung lässt sich nicht allein mit den Folgen des Ukrainekriegs und den gestiegenen Energiekosten erklären. Bereits 2021 lag die deutsche Industrieproduktion um 4,1 Prozent unter dem Niveau von 2015. Bis 2025 folgte ein weiterer Rückgang um rund sieben Prozent.

Damit deutet der langfristige Vergleich auf strukturelle Probleme des Industriestandorts hin. Für energieintensive Branchen wie die Stahlindustrie und ihre Abnehmer im Maschinen- und Fahrzeugbau sind insbesondere die internationale Wettbewerbsfähigkeit, Investitionsbedingungen und die Entwicklung der industriellen Wertschöpfung von Bedeutung.

Auch am Arbeitsmarkt hinterlässt die Entwicklung Spuren. Nach einer Untersuchung des ifo Instituts in Dresden beschäftigte die deutsche Industrie Ende 2025 rund 496.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer weniger als Ende 2018. Das entspricht einem Rückgang um 7,1 Prozent. Besonders betroffen waren die Automobilindustrie einschließlich ihrer Zulieferer mit 123.500 gestrichenen Stellen, die Hersteller von Metallerzeugnissen mit 115.600 und der Maschinenbau mit 64.500 Arbeitsplätzen.

Aktuelle Eurostat-Zahlen zeigen keine durchgreifende Erholung

Die jüngsten Daten des europäischen Statistikamtes zeichnen auch für die EU insgesamt ein verhaltenes Bild. Im August 2026 sank die Industrieproduktion gegenüber dem Vormonat im Euroraum um 0,5 Prozent und in der EU um 0,3 Prozent. Gegenüber August 2025 betrug der Rückgang 1,1 beziehungsweise 0,2 Prozent.

Deutschland verzeichnete im August zwar einen leichten Produktionsanstieg von 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat und auch gegenüber dem Vorjahresmonat. Von einer nachhaltigen Erholung lässt sich daraus jedoch noch nicht sprechen. Im Juli war die deutsche Industrieproduktion gegenüber Juni um 1,7 Prozent zurückgegangen.

Deutlich dynamischer entwickelte sich die Produktion im August im Jahresvergleich unter anderem in den Niederlanden (+9,8 Prozent), Ungarn (+8,8 Prozent) und Dänemark (+8,3 Prozent). Polen erreichte ein Plus von 1,8 Prozent, Tschechien von 2,6 Prozent.

Für die deutsche Stahlindustrie und ihre industriellen Abnehmer ist der Befund besonders relevant: Die Schwäche des heimischen Produktionsstandorts betrifft nicht nur einzelne Unternehmen, sondern auch wichtige Absatzbranchen. Während andere europäische Industriestandorte wachsen, bleibt eine breite Erholung der deutschen Industrie bislang aus.

Quellen: Eurostat, Berliner Zeitung, ifo Dresden / Fotokonzeption: marketSTEEL KI-generiert



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