Deutschland und Frankreich wollen europäische Automobilindustrie stärken
von Hubert Hunscheidt
Deutschland und Frankreich wollen die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie stärken und zugleich an den Klimazielen festhalten. In einer gemeinsamen Erklärung vom 16. Oktober 2026 verständigten sich beide Länder auf ein abgestimmtes Vorgehen, das die Transformation der Branche mit Investitionen, technologischer Innovation und einer stärkeren europäischen Produktion verbinden soll.
Im Mittelpunkt steht das Ziel, die Entwicklung und Fertigung künftiger Fahrzeuggenerationen in Europa zu sichern. Insbesondere beim Ausbau der Elektromobilität sollen europäische Produktionsstandorte und Wertschöpfungsketten gestärkt werden. Deutschland und Frankreich sprechen sich dafür aus, die Dekarbonisierung der Automobilindustrie mit einer sogenannten europäischen Präferenz zu verbinden.
Mehr Flexibilität bei der Dekarbonisierung
Beide Länder schlagen ein Maßnahmenpaket vor, das ehrgeizige CO₂-Reduktionsziele mit größerer regulatorischer Flexibilität verbindet. Damit sollen unterschiedliche Marktbedingungen und technologische Entwicklungen stärker berücksichtigt werden.
Zugleich sollen gezielte Anreize für Investitionen, Forschung und Entwicklung sowie die Produktion in Europa geschaffen werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf widerstandsfähigen Lieferketten, um die Abhängigkeit von außereuropäischen Produktionskapazitäten zu verringern.
Die Bundesregierung und die französische Regierung betonen, dass Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit keine Gegensätze sein dürfen. Vielmehr müsse die Transformation der Automobilindustrie so gestaltet werden, dass Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Europa erhalten bleiben.
Bedeutung für die europäische Stahlindustrie
Für die Stahlindustrie ist die gemeinsame Initiative von besonderer Bedeutung. Die Automobilbranche zählt zu den wichtigsten Abnehmern hochwertiger Flachstahlprodukte. Eine Stärkung der europäischen Fahrzeugproduktion könnte daher auch die Nachfrage nach Automobilstählen und entsprechenden Vorprodukten stabilisieren.
Insbesondere die angestrebte europäische Präferenz dürfte für Stahlhersteller und Zulieferer von Interesse sein. Ob und in welcher Form künftig auch europäisch produzierter Stahl bei der Fahrzeugfertigung bevorzugt werden soll, lässt die gemeinsame Erklärung allerdings offen.
Deutschland und Frankreich wollen nun gemeinsam mit ihren europäischen Partnern auf eine zügige Einigung über den vorgeschlagenen Ansatz hinarbeiten. Konkrete gesetzliche Maßnahmen, Zeitpläne oder finanzielle Zusagen enthält die Erklärung noch nicht.
Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung / Foto: Fotolia