Deutsche Industrie: Stärkste Produktionsausweitung seit Februar 2022
von Hubert Hunscheidt
Der Industriesektor ist vielversprechend in die zweite Jahreshälfte gestartet. Dank höherer Exportumsätze konnte die Produktion kräftig gesteigert werden. Gleichzeitig ließ der Preisdruck etwas nach. Beide Inflationsraten – Einkaufs- und Verkaufspreise – haben sich weiter von ihren jüngsten Höchstständen entfernt. Dennoch stehen die Lieferketten nach wie vor unter Druck und die Unternehmen äußerten sich erneut zurückhaltend optimistisch hinsichtlich ihrer Wachstumschancen binnen Jahresfrist.hresfrist.
Der gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) erstellte S&P Global Einkaufsmanagerindex Deutschland (EMI) stieg von 50,3 im Juni auf aktuell 52,2 Punkte und signalisierte damit zu Beginn der zweiten Jahreshälfte den sechsten Monat in Folge eine Belebung der Geschäftstätigkeit im Verarbeitenden Gewerbe der größten Volkswirtschaft Europas.
Industrieproduktion Impulsgeber für alle anderen EMI-Teilindizes
Alle Teilindizes des EMI hatten einen positiven Einfluss, wobei der stärkste Impuls vom Teilindex Produktion kam. So wurde die Industrieproduktion im Juli so stark ausgeweitet wie seit fast viereinhalb Jahren nicht mehr. Den Befragten zufolge lag dies vor allem an Bemühungen, die Auftragsbestände zu reduzieren (dritter Rückgang in Folge), an einer höheren Kapazitätsauslastung sowie an der gestiegenen Nachfrage.
Geschäftsklima leidet weiter unter geopolitischen Spannungen
Bei der Beschäftigung setzte sich der Abwärtstrend fort. So schlug hier ein weiterer deutlicher Rückgang zu Buche. Immerhin verlangsamte sich das Tempo etwas, sodass der geringfügigste Stellenabbau seit Februar verzeichnet wurde. Umfrageteilnehmer, die Kürzungen meldeten, begründeten dies meist mit der Entlassung von Leiharbeitern, der Nichtbesetzung frei gewordener Stellen sowie mit betrieblichen Umstrukturierungen.
Mit Blick auf die Geschäftsaussichten der kommenden zwölf Monate zeigten sich die deutschen Hersteller abermals nur verhalten optimistisch. Geopolitische Spannungen und Sorgen über den Zustand der heimischen Automobilindustrie sowie der Baubranche drückten die Stimmung, so die Befragten.
Die wichtigsten Ergebnisse im Konsumgüterbereich
- Schrumpfungen bei Produktion und Auftragseingängen schwächen sich ab
- Inflationsrate der Verkaufspreise erreicht 41-Monatshoch
- Geschäftsaussichten erstmals seit fünf Monaten positiv
Die wichtigsten Ergebnisse im Vorleistungsgüterbereich
- Höchste Produktionssteigerung seit fast fünf Jahren
- Neuaufträge, Exportumsätze und Einkaufsmenge steigen
- Teuerungsrate der Erzeugerpreise sinkt auf Viermonatstief, bleibt aber hoch
Die wichtigsten Ergebnisse im Investitionsgüterbereich
- Zuwachsraten bei Produktion und Auftragseingängen ziehen an
- Solides Plus bei Einkaufsmenge
- Lieferverzögerungen gehören zu den schlimmsten seit Mitte 2022
Quelle: Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) / Foto: marketSTEEL