Deutsche Firmen investieren Milliarden in China

von Hubert Hunscheidt

Deutsche Unternehmen haben im ersten Halbjahr 2026 rund 5,6 Milliarden Euro zusätzlich in China investiert. Das zeigt eine IW-Auswertung auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank. Der Betrag lag rund ein Drittel über dem Vorjahreszeitraum. Im längerfristigen Vergleich bewegt er sich jedoch im üblichen Rahmen: Der Durchschnitt der Halbjahreswerte von 2020 bis 2025 lag ebenfalls bei 5,6 Milliarden Euro.

Deutsche Beteiligungen gehen zurück

Hinter der stabilen Gesamtzahl steht eine gespaltene Entwicklung: Manche Firmen fahren ihr China-Geschäft zurück – das Umfeld ist schwieriger geworden, der Konkurrenzdruck enorm. Seit 2017 übersteigt der Wert der aufgelösten Beteiligungen den der neuen: Zwischen 2017 und 2024 investierten deutsche Firmen jährlich zwei Milliarden Euro in neue Beteiligungen und lösten zugleich bestehende im Wert von 3,6 Milliarden Euro auf. Unterm Strich flossen so 1,6 Milliarden Euro pro Jahr ab, 2025 ebenso viel. Ein ähnliches Bild zeigen die Direktinvestitionskredite: Seit 2023 holen sich die deutschen Mutterkonzerne Geld von ihren chinesischen Töchtern, 2025 waren es 2,7 Milliarden Euro.

Ein Großteil der Unternehmen hingegen setzt dagegen weiter auf den chinesischen Markt. Laut AHK Greater China wollen über 85 Prozent der deutschen Tochterfirmen ihr Engagement dort mindestens halten. Über die Hälfte will sogar mehr investieren. Die dafür nötigen Mittel kommen zunehmend aus dem China-Geschäft selbst. 2025 beliefen sich die reinvestierten Gewinne auf 7,8 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Zwischen 2017 und 2024 lag der Wert noch bei 5,4 Milliarden Euro.

Warum deutsche Firmen weiter in China investieren

Deutschen Unternehmen bleibt kaum eine Wahl, als weiter in China zu investieren. Das Land ist ein wichtiger Absatzmarkt und einige Firmen nutzen es als „Fitnesscenter“. Das Kalkül dahinter: Wer sich gegen die harte Konkurrenz vor Ort durchsetzt, schafft das auch eher auf dem Weltmarkt. Hinzu kommt ein Problem: Die Produktion in China ist künstlich vergünstigt – der Staat subventioniert Unternehmen, und die unterbewertete Währung verbilligt chinesische Waren zusätzlich. Wer im scharfen globalen Preiswettbewerb gegen chinesische Firmen bestehen will, muss deshalb selbst stärker dort produzieren und die Wettbewerbsverzerrungen auch für sich nutzen. Für Deutschland heißt das: Produktion und Arbeitsplätze wandern nach China ab. Die EU sollte diesem unfairen Spiel einen Riegel vorschieben und Ausgleichszölle auf chinesische Importe erheben.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. / Foto: Fotolia