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Deutsche Edelstahlwerke: Swiss Steel plant Verkauf von zwei Standorten

14. Okt. 2026 von Hubert Hunscheidt

Die Swiss Steel Group plant eine umfassende Neuaufstellung ihrer Tochtergesellschaft Deutsche Edelstahlwerke (DEW). Innerhalb der kommenden rund zwei Jahre soll die Produktion auf weniger Standorte konzentriert und das Unternehmen langfristig wieder wettbewerbsfähig aufgestellt werden. Im Mittelpunkt des Restrukturierungsprogramms stehen der Ausbau des Standorts Witten, die Weiterführung des Walzwerks Siegen sowie der geplante Verkauf der Werke in Hagen und Krefeld. Für die beiden letztgenannten Standorte steht bei ausbleibendem Verkauf auch eine Schließung im Raum.

Hintergrund ist die anhaltend schwierige Marktsituation für europäischen Langstahl. Nach Angaben der Swiss Steel Group ist das Marktvolumen in den für DEW relevanten Produktgruppen seit 2021 deutlich geschrumpft. Insbesondere die schwache Nachfrage aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau, hohe Energiekosten und zunehmender Importdruck belasten das Geschäft.

Die bestehenden Produktionskapazitäten sind für wesentlich höhere Absatzmengen ausgelegt. Die Folge sind eine unzureichende Auslastung, hohe Fixkosten und erheblicher Investitionsbedarf.

Witten wird zum zentralen Produktionsstandort

Kern des Restrukturierungsprogramms „DEW 2030“ ist die Konzentration der Stahlproduktion auf Witten. Der Standort deckt mit Engineering Steel, Stainless Steel und Tool Steel bereits heute alle drei Spezialstahlbereiche ab.

Durch die Bündelung der Produktionsmengen soll die Auslastung des Elektrolichtbogenofens und der Stranggießanlage auf nahezu 100 Prozent steigen. Gleichzeitig sind gezielte Investitionen in die Anlagen geplant.

Ein weiterer Vorteil des Standorts liegt nach Unternehmensangaben in seiner Ausrichtung auf margenstärkere Märkte wie die zivile Luftfahrt und die Verteidigungsindustrie. Dadurch ist Witten weniger stark von der schwächelnden Automobilindustrie abhängig.

Das Walzwerk Siegen soll weiterhin Bestandteil des Produktionsverbunds bleiben. Die dortige Stahlproduktion wird dagegen nach den aktuellen Planungen pausiert und künftig in Witten konzentriert.

Hagen und Krefeld droht die Schließung

Für die Werke in Hagen und Krefeld strebt Swiss Steel einen Verkauf an. Sollte sich innerhalb der kommenden Monate kein Käufer finden, ist die Einstellung des Betriebs vorgesehen.

Besonders deutlich zeigt sich der Nachfragerückgang am Standort Hagen. Dort haben sich die Absatzmengen zwischen 2018 und 2025 mehr als halbiert. Nach dem Hochwasser im Juli 2021 konnten verlorene Produktionsmengen nicht zurückgewonnen werden. Zudem stammen mehr als 70 Prozent der Kunden aus der Automobilindustrie.

In Krefeld sieht das Unternehmen aufgrund hoher Energie- und Produktionskosten, unzureichender Auslastung und erheblicher notwendiger Investitionen ebenfalls keine langfristig tragfähige wirtschaftliche Perspektive.

Bisherige Sparmaßnahmen reichen nicht aus

Die Deutschen Edelstahlwerke hatten bereits in den vergangenen Jahren umfangreiche Maßnahmen zur Kostensenkung eingeleitet. Seit 2022 wurde der Personalbestand deutlich reduziert. Auch die Beschäftigten leisteten durch den Verzicht auf finanzielle Leistungen und Kurzarbeit Beiträge zur Sanierung.

Dennoch gelang es nicht, das Unternehmen wieder in die operative Gewinnzone zu führen. Die erwirtschafteten Deckungsbeiträge reichen nach Unternehmensangaben nicht aus, um die Fixkosten zu tragen und gleichzeitig die erforderlichen Investitionen an allen Standorten zu finanzieren.

„Der strukturell kleinere Markt macht diese Neuaufstellung notwendig. Mit der Konzentration auf Witten und das Walzwerk Siegen wollen wir eine langfristig wettbewerbsfähige DEW sichern“, erklärt Frank Koch, CEO der Swiss Steel Group.

Restrukturierung soll rund zwei Jahre dauern

Die Umsetzung ist schrittweise über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren vorgesehen. Produktionstransfers und Investitionen sollen aufeinander abgestimmt werden, um Qualität und Lieferfähigkeit gegenüber den Kunden sicherzustellen.

Mit den Betriebsräten will das Unternehmen über einen Interessenausgleich und Sozialplan verhandeln. Zudem sollen nach Möglichkeit Beschäftigungsperspektiven an anderen DEW-Standorten geprüft werden.

Wie viele Arbeitsplätze von der Restrukturierung betroffen sein werden, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

Quelle: Swiss Steel Group / Foto: Deutsche Edelstahlwerke



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