Dekarbonisierung erhöht Druck auf Rohstoffversorgung der Stahlindustrie
von Hubert Hunscheidt
Die Transformation der Stahlindustrie hin zu CO₂-ärmeren Produktionsprozessen erhöht nach Einschätzung von Marktbeobachtern den Druck auf die Versorgung mit kritischen Rohstoffen. Besonders die Umstellung von Hochofenrouten auf Elektrolichtbogenöfen (EAF) verstärkt den Bedarf an hochreinem Eisen und Legierungsmetallen wie Vanadium.
Hintergrund ist die steigende Bedeutung hochwertiger Einsatzstoffe für die Produktion anspruchsvoller Stahlqualitäten. Beim Recycling von Stahlschrott können sich Kupferverunreinigungen in der Schmelze anreichern, weshalb zusätzliche Mengen hochreinen Roheisens zur Qualitätsstabilisierung benötigt werden.
Große Stahlhersteller wie ArcelorMittal und thyssenkrupp Steel Europe treiben ihre Dekarbonisierungsstrategien daher mit hohem Investitionsaufwand voran. ArcelorMittal setzt dabei verstärkt auf vertikale Integration und den Ausbau eigener Rohstoffquellen sowie Recyclingaktivitäten. thyssenkrupp Steel Europe steht gleichzeitig unter erheblichem Restrukturierungs- und Transformationsdruck.
Vor diesem Hintergrund gewinnt das kanadische Unternehmen Strategic Resources an Aufmerksamkeit. Das Unternehmen entwickelt mit dem BlackRock-Projekt in Québec eine integrierte Rohstoffplattform für hochreines Eisen, Vanadium und Titan. Geplant ist unter anderem eine Eisenerz-Pelletieranlage am Tiefseehafen Port Saguenay mit einer Kapazität von vier Millionen Tonnen pro Jahr.
Strategic Resources teilte jetzt mit, alle Antworten auf Rückfragen des Umweltministeriums von Québec zur Erweiterung der Genehmigung für das Pelletierwerk eingereicht zu haben. Das Unternehmen erwartet nach eigenen Angaben in den kommenden Monaten eine Entscheidung über die Anpassung der bestehenden Genehmigung.
Das BlackRock-Projekt verfügt bereits über eine vollständige Grundgenehmigung für Mine, Konzentrator und metallurgische Anlagen. Zusätzlich verfolgt Strategic Resources mit dem Mustavaara-Projekt in Finnland ein weiteres europäisches Rohstoffprojekt.
Die Versorgungssicherheit bei Vanadium gilt zunehmend als geopolitisches Thema. Nach Angaben des United States Geological Survey stammt der Großteil der weltweiten Vanadiumproduktion derzeit aus China. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach dem Metall sowohl in der Stahlindustrie als auch im Bereich stationärer Energiespeicher und Batterietechnologien.
Quelle: Strategic Resources Inc. / Foto: marketSTEEL