Dekarbonisierung der Stahlindustrie erfordert Investitionen von 278 Milliarden US-Dollar
von Hubert Hunscheidt
Voraussetzung sind zusätzliche Investitionen von bis zu 278 Milliarden US-Dollar sowie ein konsequenter Ausbau von Schrottrecycling, grünem Wasserstoff und klimafreundlichen Produktionsverfahren.
Die weltweite Stahlindustrie kann ihre CO₂-Emissionen bis 2050 nahezu vollständig reduzieren, benötigt dafür jedoch erhebliche Investitionen und einen breit angelegten Technologiewechsel. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse von BloombergNEF (BNEF).
Den größten Beitrag zur Dekarbonisierung sieht BNEF in einer stärkeren Nutzung von Stahlschrott. Ein höherer Recyclinganteil könne den Bedarf an primär erzeugtem Stahl deutlich verringern und damit den CO₂-Ausstoß erheblich reduzieren. Ergänzend seien Investitionen in Direktreduktionsanlagen, Elektrolichtbogenöfen sowie der verstärkte Einsatz von grünem Wasserstoff erforderlich.
Nach Einschätzung der Analysten wird Wasserstoff, der mithilfe erneuerbarer Energien erzeugt wird, langfristig die kostengünstigste Lösung für eine nahezu emissionsfreie Stahlproduktion darstellen. Sinkende Kosten für die Wasserstofferzeugung könnten dazu führen, dass klimafreundlich produzierter Stahl künftig preislich mit konventionell auf Kohle basierendem Stahl konkurrieren kann. Langfristig sei sogar ein Kostenvorteil gegenüber der klassischen Hochofenroute möglich.
Für den weltweiten Umbau der Stahlindustrie veranschlagt BloombergNEF zusätzliche Investitionen von bis zu 278 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2050. Die Studie macht zugleich deutlich, dass die Transformation nur gelingen kann, wenn der Ausbau erneuerbarer Energien, der Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffwirtschaft sowie Investitionen in moderne Produktionsanlagen parallel vorangetrieben werden.
Quelle: BloombergNEF (BNEF) / Foto: marketSTEEL