Deindustrialisierung hält Deutschland in der Krise

von Hubert Hunscheidt

 

Seit 2019 hat die Deindustrialisierung allein in der Metall- und Elektro-Industrie (M+E-Industrie) 350.000 Arbeitsplätze gekostet. Das entspricht einem Wertschöpfungsverlust von jährlich 42 Milliarden Euro für die deutsche Volkswirtschaft. Und die deutsche Wirtschaft kommt weiter nicht in Tritt. So ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemäß den heutigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes im 3. Quartal 2026 nur um 0,2 Prozent zum Vorquartal gestiegen. Dabei gingen die Investitionen zurück und die Exporte schwächten sich merklich ab.

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander: „Das magere Plus des deutschen Bruttoinlandsprodukts zeigt, wie verfrüht die Hoffnungen auf eine Trendwende sind. Die längste Wirtschaftskrise in der Geschichte der Bundesrepublik hat bereits nahezu 1 Billion Euro an Wohlstand gekostet, wenn man die Wachstumsverluste seit 2020 aufaddiert. Einen Aufschwung gibt es nicht durch schuldenfinanzierte Staatsausgaben, sondern indem der Standort wieder preislich wettbewerbsfähig wird. Dafür müssen jetzt Strukturreformen kommen, sonst setzen sich die Deindustrialisierung und der Personalabbau ungebremst fort.“

Der Arbeitsmarkt in der M+E-Industrie verschlechterte sich im Oktober 2026 weiter. Nach den heute von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Zahlen lag die Anzahl an Arbeitslosen in qualifizierten M+E-Berufen (Berufsabschluss oder Akademiker) saisonbereinigt bei rund 177.000. Damit stieg die Arbeitslosigkeit den 45. Monat in Folge und damit auf den höchsten Stand seit Dezember 2020. Das Niveau des Vorjahresmonats wurde um 4,6 Prozent überschritten.

Der Abbau von 350.000 Arbeitsplätzen alleine in der M+E-Industrie seit 2018 kostet Deutschland 42 Mrd. Euro Wertschöpfung jährlich.

„Angesichts der Unterauslastung der Unternehmen sind weitere 300.000 Arbeitsplätze allein in der M+E-Industrie bedroht. Für eine Trendumkehr müssen die Kosten am Standort sinken – bei Steuern, Energie, Bürokratie und Arbeitskosten. Die Bundesregierung muss die Sozialversicherungsbeiträge stabilisieren und auf 40 Prozent zurückführen. Aber auch die im Koalitionsvertrag vereinbarte und längst überfällige Reform des Arbeitszeitgesetzes mit der gesetzlich verankerten Wochenarbeitszeit ohne Tarifvorbehalt sowie dem klaren Bekenntnis zur Vertrauensarbeitszeit ohne Zeiterfassung muss kommen“, sagte Zander weiter.

Quelle: Gesamtmetall | Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie e.V. / Foto: marketSTEEL