"Corona-Tarifabschluss" wird nicht gewünscht

von Hubert Hunscheidt

"Wir brauchen jetzt einen klaren Blick und dürfen uns nicht panisch machen lassen - weder vom Virus noch von sonst was. Insofern wird es einen Tarifabschluss geben, der die konjunkturelle Situation berücksichtigt - mit Sicherheit aber keinen Corona-Abschluss", sagte der Bezirksleiter Roman Zitzelsberger in einem Streitgespräch mit Südwestmetall-Chef Stefan Wolf bei der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" (Samstagsausgaben).
 
Wolf warnte hingegen, dass die zusätzliche Belastung durch das Virus viele Unternehmen hart treffen werde. "Und es wird welche geben, die um ihre Existenz kämpfen müssen." Die Folgen der Epidemie müssten am Verhandlungstisch berücksichtigt werden. Die IG Metall sei da "immer noch ein ganzes Stück weit von der Realität entfernt". Sie wäre gut beraten, auf die Menschen in den Betrieben zu hören, mahnte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber. "Die wollen nicht irgendwelche Lohnerhöhungen, sondern haben Angst um ihren Arbeitsplatz." Vordringliche Aufgabe sei es daher, die Unternehmen über die Krise zu bringen und Arbeitsplätze zu erhalten.
 
Zitzelsberger zufolge hat die Gewerkschaft ungewohnte Probleme in dieser Tarifbewegung: "Derzeit informieren wir über unsere Themen; dies ist durch die Coronakrise extrem erschwert, weil zum Beispiel Betriebsversammlungen abgesagt werden", erläuterte er. "Es fehlt etwas der Dialog mit den Menschen in den Betrieben." Eine Verschiebung der Tarifrunde lehnte der IG-Metall-Verhandlungsführer in Baden-Württemberg aber ab. "Wir sind mit dem Ziel in die Tarifrunde gestartet, früher fertig zu werden, damit die Beschäftigten Sicherheit für die Zukunft bekommen", sagte er. "Verschieben ist da eher unangebracht - zumal die Menschen von uns erwarten, dass wir auch in schwierigen Zeiten Lösungen finden."
 
Die Verhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg beginnen am kommenden Montag in Böblingen. Der Bezirksleiter zeigte sich zuversichtlich, dass eine Einigung in der Friedenspflicht gelingen kann. Die Tarifvertragsparteien hätten eine große Verantwortung, und die IG Metall habe frühzeitig auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Transformation gemeinsam zu gestalten. "Über das Ziel dieser Zukunftssicherung sind wir uns einig, nur noch nicht über den ganzen Weg dorthin." Auch Südwestmetall-Chef Wolf zeigte sich insgesamt positiv gestimmt. "Es gibt noch viele Bereiche, wo wir weit auseinander sind. Ich denke und hoffe aber, dass wir eine vernünftige Lösung hinkriegen", sagte er.
 
Quelle: Stuttgarter Zeitung / Vorschaufoto: marketSTEEL

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